sehe ich Wohl; ob aber das Ganze ein geistreiche Zu-sammenschmelzung des Antiken mit dem Modernen oderbloß eine verunglückte Zusammenknetung des Sophoklesund des Shakespeares ist — das weiß ich nicht. Es sindrein antike und rein moderne Formen nebeneinandergestellt, wahrhaft antiker Geist bricht manchmal hervor— aber ich will erst mal hören, was Andere sagen. —Ich schreibe jetzt gar nichts Poetisches, doch drängt'smich, meine Tragödie zu schreiben. Es hängt alles vonmeinem Kopse ab. Wenigstens das weiß ich, daß ichsobald nichts drucken lasse. -— Denk' an die Notizen überLiebeszauber. Die sechs Eremplare der „Tragödien"habe ich ebenfalls erhalten.
Lebe wohl, guter Moses, und bleibe mirgewogen, schreibe mir bald, es braucht ja nichtviel zu sein, und Du brauchst mich ja nichtweitläufig philosophisch zu konstruieren, wie inDeinem vorigen Briefe. — Mit meiner Gesundheit siehtes seit drei Tagen viel besser aus, drei Tage ohne Kopf-schmerzen — etwa Nachwirkung des Bades? Ich fangewieder an, Lebenkraft und Hoffnung zu empfinden. BistDu nicht mit dem Schlüsse meines Briefes zufrieden?
45. An Charlotte Embden.
Lüneburg, den IL. Oktober 1823.
Deinen lieben kleinen Brief vom 7. Oktober habevorige Woche richtig erhalten und hinlänglich geküßt.Es ist alles so niedlich was Du schreibst, als hätte esder geschickteste Zuckerbäcker gedrechselt. Schreibe miroft, Du machst mir jedesmal dadurch ein Vergnügen.
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