Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
125
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ratet Dir, liebes Lottchen, dieses Mädchen nicht abzu-schaffen, bei der dritten Magd, würdest Du die erstewieder zurückwünschen. Du kannst kaum glauben, liebesLottchen, wie sehr die Mutter Tag und Nacht an Dichdenkt! Sie wundert sich, daß Du heftig geworden seist; sieglaubt, es sei die Folge der Lebensweise, der gewürztenund fetten Speisen. Ich habe nicht genug erzählenkönnen, wie Du aussiehst. Ich konnte mit Freuden er-zählen, daß Sie, lieber Embken, meine Schwester herz-lich lieben, beständig Sorge für sie tragen, ihre Schwächenertragen, ihre Caprizchen männlich ertragen, die eignenCaprizen gern ablegen, und sich immer als braver Ehe-mann zeigen. Wahrlich, meine Freunde, Eure kleinenScharmützel rechne ich für nichts, das ist überall; derhöchste Moment der Ehe ist ein Kampf, sogar ein bluti-ger; und es hat nichts zu sagen, daß die Frau demManne die Zähne zeigt, wenn sie nur hübsch weiß sind,daß sie Tränen weint, wenn es sie nur gut kleidet, unddaß sie unwillig mit den Füßen trampelt, wenn diese nurhübsch klein sind. Und was gibt es schöneres als dieVersöhnung! Und Moritz hat ein gutes Herz! Ja, lieberEmbken, Ihr Herz ist zwar sehr eckig, aber es ist gut,und was Ihren übrigen Charakter betrifft, so mußte ichdiesen immer mehr und mehr achten und lieb gewinnen,obschon seine Schroffheiten ungewöhnlich sind, und meinCharakter anders gebaut ist. Ich hoffe, daß wir unsin der Folge gemütlich näher treten mögen, und daß auchSie das Gute, was oft sehr versteckt in mir liegt, heraus-finden und anerkennen werden. Ich habe Ihnen schonden Beweis geliefert, daß ich Ihnen im praktischen Lebeneinen richtigen Scharfblick zutraue; vielleicht bemerken

ISS