Ja, lieber Freund, ich bin seit drei Monaten durcheinen Strudel von Verhältnissen und Schmerzen fastnicht zu mir selbst gekommen. Jetzt habe ich wieder Ruhezum Arbeiten. Wahrlich höchst trockene Sachen, nämlichmeine Juristerei. Ich muß alles Poetische von mirzurückdrängen, um fürs liebe Brot zu sorgen. Ich ge-denke Neujahr aus ein paar Augenblicke nach Berlinzu kommen.
Wie geht es Ihnen? wie leben Sie? was tun Sie?haben Sie über meine Tragödie nichts gehört?
Was macht Berlin und seine Spree-Literatur?Bitte, bitte, schreiben Sie doch bald Ihrem Freunde
43. An Moritz und Charlotte Embken.
Lüneburg, den 15. September 1823.
Ich bin vorgestern nacht gesund und wohl hier an-gelangt, und habe meine lieben Eltern ebenfalls gesundund wohl angetroffen. — Ich bin erst um 1 Uhr vonHamburg abgereist, schönes Wetter und schnelle Fahrt.— Es ist noch immer das alte mürrische Lüneburg!die Residenz der Langeweile. — Amichen war ganzaußer sich vor Freude! Mutter hat sich nicht wenigerschrocken, als sie Deinen Unfall, liebes Lottchen, er-fahren. Ich erzählte, daß ihr letzter Brief mit gutemRat zu spät kam, und sich ihre großmütterlichen Hoff-nungen, obschon Zeit verloren, dennoch später erfüllenwürden. Ich habe viel von Euch erzählen müssen, wieIhr Euch wohl vorstellen könnt. Die Daumenschraubenwurden mir gehörig angelegt. Ich habe Mutter eineSchilderung Eures Dienstmädchens entworfen, und sie
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