34. An Varnhagen von Ense.
Lüneburg, den 17. Juni tssz,
Herr von Varnhagen! ich übersende Ihnen bei-kvmmend den versprochenen Aussatz über Goethe, denich nicht früher liefern konnte, weil ich noch immer sosehr krank bin und erst vorgestern, unter lauter Schmer-zen, denselben schrieb. Sie werden es auch merken, dgan die Stelle meines gewöhnlichen kurzsätzigen, zahmenStils ein dumpfer, breiter Bilder- und Jdeenwirrwarrgetreten ist. Ich hoffe, daß der Aussatz frühzeitig genugkommt, um Ihrem Buche einverleibt zu werden; ver-zeihen Sie mir, daß ich ihn so spät schicke, und be-trachten Sie dieses nicht als ein Zeichen von Faulheitoder gar Gleichgültigkeit. Ich lebe in diesem Augenblickgänzlich isoliert, abgeschnitten von allem wirklichenMenschenverkehr, und dennoch wegen meines Krank-seins ganz unbeschäftigt, und es ist daher ganz natürlich,daß ich den größten Teil des Tages an Sie und IhreFrau denke, und mir immer lebendig vorschwebt, wieSie beide mir so viel Gutes und Liebes erzeigt, und michmürrischen, kranken Mann aufgeheitert, und gestärkt,und gehobelt, und durch Rat und Tat unterstützt, undmit Makkaroni und Geistcsspeise erquickt. Ich habe sowenig wahre Güte im Leben gefunden, und bin soviel schon mystifiziert worden, und habe erst von Ihnenund Ihrer großherzigen Frau eine ganz menschliche Be-handlung erfahren. Ich muß mir Ihre lieben Bilder umso fester einprägen, da jetzt wieder so viel Unreines,Bösartiges und Verwirrtes aus mich eindringt, und meinKopf noch krank ist und mein Herz noch nicht genesen ..
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