Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
97
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erkennen unser eigenes Wesen nur dadurch, daß uns dasfremdartige Wesen eines andern Menschen bemerkbarwird und zur Vergleichung dient; jene hirntolle, ver-schrobene, schwülstige Schlingel, die sich von vornhereinfür Shakespeare und Arioste halten, lassen uns ihre ihnenselbst oft nicht bemerkbare Unsicherheit zuweilen erkennendurch ihr ängstliches Haschen nach fremdem Urteil unddurch ihr polterndes Feldgeschrei: daß sie durch unddurch poetisch wären, daß sie gar nicht einmalaus der Poesie heraus könnten, und daß beim Verse-schreiben der göttliche Wahnsinn immer ihre Stirnumspiele.

Es fällt mir ein, daß diese letzten Zeilen wirklich dieeigenen Worte sind, die ich einst in Gesellschaft voneinem Berliner Elegant aussprechen hörte, und ichglaube, ich erzähle dieses alles und habe auch obigeÄußerungen freimütig hingestellt, um Ihnen, lieberJmmermann, den Glauben einzuflößen, daß es mehrals eine gewöhnliche Phrase ist, wenn ich sage: ich kennemeine Fehler und ich gestehe sie gerne ein. Mit Ver-gnügen ersah ich aus Ihrem Briefe, daß Sie eine Be-urteilung meinerTragödien" schreiben werden, undich muß Ihnen wiederholen, daß Sie mich nichts wenigerals verletzen werden, wenn Sie auch das Allerbittersiein derselben aussprechen. Ich will Ihnen gern ein-gestehn den Hauptfehler meiner Poesien, durch dessenVorwurf Sie mich wahrscheinlich zu verletzen glauben: es ist die große Einseitigkeit, die sich in meinen Dich-tungen zeigt, indem sie alle nur Variationen desselbenkleinen Themas sind. Niemandem kann dies leichterauffallen als Ihnen, dessen Poesie die ganze große Welt