halten, nicht das Mindeste von ihm gehört, und das istes eben, was mich beunruhigt. Dieses mag Sie, lieberJmmcrmann, etwas befremden, da ich Ihnen Sethe alseinen meiner besten Freunde angekündigt; aber es istdennoch so, wir sind zwölf Jahre lang Herzensfreundegewesen, saßen schon in der Schule immer beisammen,und blieben auch in der Folge immer beisammen, undjetzt läßt er mich sechs Monat ohne Antwort. — Ich lebejetzt seit einigen Wochen hier in Lüneburg, im Schößemeiner Familie, wo ich so lange bleiben will, bis meinkranker Kopf wieder gesund wird. Dieses scheint sehrlangsam von statten gehen zu wollen, und die Göttermögen sich meines armen Reiseplanes erbarmen. Ichsehe voraus, lieber Jmmermann, daß es sich noch sehrlange herumziehen wird, bis ich nach der Knipperdolling-stadt komme, und dem Dichter, mit dem ich hoffea l t z u w e r d e n, die Hand schüttele. Sic haben selbsteinen ahnlichen Ausdruck gebraucht, und Sie könnenes kaum glauben, wie mich dieses aus großartigem Selbst-gefühle natürlich hervorgegangene Wort bis in tiefsterSeele bewegt hat. Die ewigen Götter wissen's, daß ichgleich in der ersten Stunde, wo ich in Ihren Tragödienlas, Sie für das erkannte, was Sie sind; und ich binebenso sicher in dem Urteile, das ich über mich selbstfälle. Jene Sicherheit entspringt nicht aus träumerischerSelbsttäuschung, sie entspringt vielmehr aus dem klarenBewußtsein, aus der genauen Kenntnis des Poetischenund seines natürlichen Gegensatzes, des Gemeinen. AlleDinge sind uns ja nur durch ihren Gegensatz erkennbar,es gäbe für uns gar keine Poesie, wenn wir nicht überallauch das Gemeine und Triviale sehen könnten, wir selber
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