Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

nicht lange in Lüneburg wohnen, sich sehr zurückziehen,und ich hier keinen Menschen kenne. Ich will aber zumeiner Erheiterung in vierzehn Tagen eine Reise nachHamburg machen, und acht oder, wenn ich mich amüsiere,vierzehn Tage dort bleiben. Haben Sie in Hamburggute Freunde, deren Bekanntschaft Sie mir durch einigeZeilen verschaffen wollten, so würden Sie mich dadurcherstaunlich verbinden.

Den Osterpsalm habe ich gelesen; er ist mehr alsein Gedicht, und folglich besser. MeinAlmansor"wird Sie nicht ganz angesprochen haben. Ich hattedieses Gedicht früher verworfen, erst durch starkes Zu-reden der Freunde bequemte ich mich dazu, es drucken zulassen, und jetzt, wo es manchen Beifall findet, viel mehrals derRatcliff", habe ich doch noch nicht angefangen,günstiger darüber zu urteilen. Ich weiß nicht, wie eskömmt, aber dieses helle, milde Gedicht ist mir im höchstenGrade unheimlich, statt daß ich mit Behagen an dendüstern, steinernenRatcliff" denke. Ich erinneremich: die Romanze von Donna Clara und DonGasairos imZaubcrring", an die ich in den bedeutend-sten Lebenssituationen lebhaft gedacht, und die ich inmanchen Augenblicken selber geschrieben zu haben ver-meine, diese liebliche Romanze hat mir oft vorgeschwebt,als ich denAlmansor" schrieb. Was Ihr liebes Ge-dicht an mich in betreff der Schlangen ausspricht, istleider nur zu sehr die Wahrheit.

Wie könnte ich dieses Lied wißverstehen! Der schöneMaitag, an welchem ich es erhielt, wird mir noch langeleuchtend vorschweben. Bleiben Sie mir gewogen,großer, edler Fouquö, entziehen Sie mir nie Ihre freund-

34