mich hier im Schöße meiner Familie, die ich besuchenkam, um der Hochzeitsfeier einer Schwester beizuwohnen,mich von meinem Kranksein zu restaurieren, und meinenEltern vor meiner Abreise nach Paris Lebewohl zu sagen.Diese wird nun wohl vorderhand unterbleiben, da michjetzt meine Krankheit mehr als je niederbeugt. In diesemZustande, Herr Baron, mußte mich Ihr Brief desto tieferbewegen und ergreifen. Kaum las ich Ihren teurenNamen, so war es auch, als ob in meiner Seele wiederauftauchten all jene leuchtende Lieblingsgeschichten, dieich in meinen bessern Tagen von Ihnen gelesen, und sieerfüllten mich wieder mit der alten Wehmut, und da-zwischen hörte ich wieder die schönen Lieder von ge-brochenen Herzen, unwandelbarer Liebestreue, Sehn-suchtsglut, Todesseligkeit — vor allem glaubte ich diefreundliche Stimme von Frau Minnctrost zu vernehmen.Es mußte den armen Kunstjünger sehr erfreuen, bei dembewährten und gefeierten Meister Anerkennung gefundenzu haben, entzücken mußte es ihn, da dieser Meister ebenjener Dichter ist, dessen Genius einst so viel in ihm ge-weckt, so gewaltig seine Seele bewegt und mit so großerEhrfurcht und Liebe ihn erfüllt! Ich kann Ihnen nichtgenug danken für das schone Lied, womit Sie meinedunkeln Schmerzen verherrlicht und die bösen Flammenderselben beschworen. Ich möchte gern dieses Gedichteinigen Freunden mitteilen, aber ich habe zu sehr Angst,daß dieselben so indiskret sein möchten, es in viele Händezu bringen; denn wirklich, dieses Gedicht gehört zu denschönsten, die ich von Ihren gelesen, und ich zweifle nicht,daß es auch andern Leuten Tränen entlocken kann.
Ich lebe hier sehr isoliert, da meine Eltern noch
SS