entschuldigen könnte, so wirst Du leider immer dieWahrheit treffen. Ärgerliche Stürme, Verlust des Aller-liebsten, Krankheit und Unmut und dergleichen schöneDinge mehr sind seit zwei Jahren die hervorstechendenPunkte in dem Leben Deines Freundes. Ich tröstetemich lange damit: der Fritz verlangt nicht, daß Du alteund neue Wunden ausreißest und Herzblut in Brief-kuvert ihm zuschickst; aus manchem meiner trüben Lieder,das ihm hie und da ans Ohr geklungen sein mag, wirder gemerkt haben, wie trübe und freudenlos es noch inder Brust seines Freundes aussieht; — am meisten aberbeschwichtige ich mich mit der Unkenntnis Deiner Adresse.Diese letztere Entschuldigung gilt aber nicht mehr seitvier Monaten, ich erfuhr, daß Du in Münster bist, demChristian gab ich viele Grüße mit für Dich, und jetzt rolltein Brief hinterdrein. Ich brauche den Ausdruck „rollen",weil mir auch zu gleicher Zeit eine Felsenlast von derSeele rollt. Der ehrliche Christian, dessen bloßes Wortam jüngsten Tage dem Gnadenrichter mehr gelten wird,als die Eide von Hunderttausendcn, dieser Christian sollbürgen, daß meine Gesinnungen gegen Dich unverändertgeblieben, wie oft und barsch ich auch in meinen trübenStunden von meinen besten Freunden mich abwendeund in Stolz und Qual ihre Liebe verkenne und fort-weise. Aber wer bürgt mir für Dich? Auch da soll mirDein bloßes Wort genügen, Du guter, ehrlicher Stein-mann! Von Deinen poetischen Arbeiten ist mir seitdemmanches zu Gesicht gekommen, und das meiste hat michauf ungewöhnliche Weise angesprochen. Aber auchvieles hat mich unbefriedigt gelassen. Du kennst vonalters her meine ehrliche Strenge und strenge Ehrlichkeit
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