Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
71
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objektiv anschauen — wenn mir auch jene höhere Ruheund Besonnenheit fehlte, die zur klaren Anschauungeines großen Lebcnsschauplatzes nötig ist. Ich weißnicht, ob Du mich verstanden; wenn Du einst meineMemoiren liest und einen Hamburger Menschentroß ge-schildert findest, wovon ich einige liebe, mehrere hasseund die meisten verachte, so wirst Du mich besser ver-stehen; jetzt möge das Gesagte nur dazu dienen, einigeÄußerungen in Deinen lieben Briefen zu beantworten,und Dir zu erklären, warum ich Deinen Wunsch nichterfüllen kann, diesen Frühling nach Hamburg zukommen, — obschon ich nur wenige Meilen davon ent-fernt sein werde. Ich reise nämlich in vier Wochennach Lüneburg, wo meine Familie lebt, bleibe dort sechsWochen, und reise alsdann nach dem Rhein und, wenn'smir möglich ist, nach Paris. Mein Oheim hat mir nochzwei Jahr zum Studieren zugesetzt, und ich habe nichtnötig, meinem früheren Plane gemäß in Sarmatieneine Professur zu suchen. Ich denke, daß sich baldmanches geändert haben wird, daß ich keine Schwierig-keiten haben werde, mich am Rhein zu fixieren. Ist dasnicht der Fall, so fixiere ich mich in Frankreich, wo ichfranzösisch schreibe und mir einen Weg ins Diplomatischebahne. Die Hauptsache ist die Herstellung meiner Ge-sundheit, ohne welche alle Pläne töricht sind. Gott mögemir nur Gesundheit geben, für das übrige will ich selbstsorgen. Mein Arzt gibt mir Hoffnung, daß mich dasReisen, besonders das Fußreisen, herstellen wird . . .Meine Sturzbäder habe ich eingestellt, sie haben mirnichts geholfen und unmenschliches Geld gekostet. Oben-drein muß ich mich geistiger Anstrengung enthalten, und