es nicht, da alles, was mir am liebsten wäre, nie ge-schieht. Doch ist es mir selber unerklärlich, wie das, wasmich eigentlich zu einer Verlängerung meines Still-schweigens veranlassen sollte, mich just am meisten an-treibt, Ihnen schnell zu schreiben. Es ist vielleicht dieBesorgnis, daß ich bei Ihrer Hierherkunft Ihnen nichtfrei ins Gesicht sehen könnte, weil ich so lange damitsäumte, Sie meiner höchsten Achtung und innigsten Liebezu versichern. Ja, ich bin begierig, Ihnen das allesmündlich zu sagen, und wenn Sie nicht herkommen, sowill ich deshalb diesen Frühling zu Ihnen nach Münsterkommen. Wenn dieser Brief Sie noch in Münster trifftund mein Freund Sethe schon dort ist, so wünschte ich,daß Sie seine Bekanntschaft machten; Sie sind ihm schonbekannt, und er wird Ihnen sagen, daß ich der Mannbin, der um einer Sache willen, die andere Leute einebloße Grille nennen, imstande ist, eine bedeutende Reisezu machen. Vielleicht sagt er Ihnen sogar, daß ich seinet-und Ihrethalben schon längst das Projekt gefaßt, diesesFrühjahr nach Münster zu kommen. — Ich sehe dieseTage eine kleine Piöce über Goethe und Pustkuchen vonIhnen angezeigt. Sagen Sie doch an Schulz undWundermann, daß man sie mir gleich herschicke.
Ihre Gedichte haben mich nicht befriedigt; denn ichlas die Tragödien früher. Ein andermal mehr überdiesen Punkt, der vielleicht greller aussieht, als er ist. Esist vielen so gegangen, und ich sage es Ihnen offen-herzig, weil ich Sie für den Mann halte, dem man seineMeinung ohne Umschweife sagen kann. Aber wie wärees mir möglich, das ganze große Foliolob Ihrer Tra-gödien auf diesem Quartblättchen niederzuschreiben! Ich
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