Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
51
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Sie vorigen Sommer imAnzeiger" über meineGe-dichte" ausgesprochen, nahm ich mir vor, Ihnen zuschreiben. Unterdessen sandte mir unser gemeinschaft-licher Bekannter Or. Schulz Ihre Tragödien, und ichwollte, statt Ihnen Lobeserhebungen und andere leereWorte zu schicken, Ihnen erst Ihren Liebesdienst wirk-lich vergelten und in der Domkirche der Literatur, imkritischen Berlin, bei Ihrem Geisteskinde Gevatter stehen,und ihm den rechten verdienten Namen geben, und esbesonders dem Schutze und der Pflege der Frauen emp-fehlen. Als ich bald drauf das WortDomkirche"ist wohl nicht das rechte, und statt dessen sollte stehen:Packhaus, Börse, Rumpclkammer, Notstall, Spinnhaus,Tanzsaal und Gott weiß was, aber ich liebe nicht dasAusstreichen, und fahre also lieber fort als ich balddrauf eine große Reise antrat, nahm ich zwar Ihre Tra-gödien und diePapierfenster" mit, beschäftigte michgeistig mit Ihnen auf der ganzen Reise und wurde sehrvertraut mit Ihnen, aber das Schreiben unterblieb. Beimeiner Zurückkunft hierher wollte ich Ihnen mit Freudegleich schreiben, wie überall, wo ich die Saat IhresRuhmes hingestreut, tausendfaltige, schwere Halme mirjetzt entgegenwallten; aber Krankheit und Unmut ließenmich nicht dazu kommen. Vor sechs Wochen reiste vonhier nach Münster mein bester Freund, der ReferendariusChristian Sethe, der wegen einiger Umwcgsreisen viel-leicht erst jetzt dort eingetroffen, und durch diesen warich willens Ihnen einen Brief zustellen zu lassen. Aberich habe noch nicht seine Adresse und will nicht so langemehr warten, da ich gestern zufällig erfahre, daß Sie inkurzem nach Berlin kommen würden. Zwar glaube ich

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