15. Sr. Wohlgeboren dem Herrn Rcgierungs-Referen-darius Keller in Potsdam.
Berlin, den S7. April 18SS,
An Hartmann vom Rhein, ehemaliger West-falensenior, jetzt Mitglied der Gesellschaft zurVerbreitung der Vernunft, Repräsentant desgesunden Menschenverstandes, Sprecher fürGewerbesreiheit usw., Lichtritter usw., usw.,sowie auch Regierungsreferendarius zu Pots-dam.
Wie ennuyieren sich Ew. Wohlgeboren in Potsdam?Können's wohl glauben, daß mir Ihre Abwesenheit oftsehr merkbar wird. Ich werde Sie recht bald dort be-suchen. Es zieht mich sehr nach Potsdam, da ich dortauch eine Geliebte habe. Es ist eine von den Mamor-statuen, die in Sanssouci auf der Terrasse stehen. —Ich werde Ihnen auch Ihren Anzeiger mitbringen, sowieauch eine Tasche voll Berliner Neuigkeiten. Von SchulzHab ich Brief gehabt, er ist ganz in Altertumsforschungenversunken. Mein zweiter Brief aus Bserlins wird Ihnenschon zu Gesicht gekommen sein; ich wünsche, daß erIhren Beifall etwas mehr gewinne als der erste. Alles,was wir schreiben, ist ja meistens gerichtet an diejenigen,in deren Nähe wir leben. Wenn Sie dort das Brock-hausische Konversationsblatt lesen, so werden Sie finden,daß jemand in einer Korrespondenz aus Berlin aufmeinen ersten Brief und „die reflektierende Portiersin Wein- und Kaffeehäusern und ihre phisionomischeBemerkungen" gestichelt und meine armen, unschuldigen
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