herabrauschende Blutstrom war nur der inhalt,
den eine aus ihrem Fenster herabgoß. Ich möchte
Dir noch vieles schreiben, wie es mir ging mit meinemarmen verrückten Herzen, doch bin ich unpäßlich, schreibediese Zeilen im Zimmer meiner Eltern, muß vorsichtigsein, daß mir niemand über die Schulter sieht. Kurz,ich bin geniert.
Ich habe meine Familie in einem höchst traurigenZustand gefunden. Mein Vater leidet noch immer anseiner Gemütskrankheit, meine Mutter laboriert anMigräne, meine Schwester hat den Katarrh und meinebeiden Brüder machen schlechte Verse. Dieses letzterezerreißt mir das Herz. Für den jüngern gebe ich nichtalle Hoffnung verloren. Meine Gedichte gefallen ihmnicht. Das ist ein gutes Zeichen. Meine Schwesterfällt aber ein besseres Urteil über meine poetischenVerdienste. Als ich ihr jüngst eins meiner besten Geistes-werke vorlas, bemerkte sie: „O! das geht". DiesesMädchen singt wie ein Engel. Mein jüngerer Bruderwird Medizin studieren. Der ältere studiert jetzt prak-tisch die Landwirtschaft. Aus brüderlicher Liebe will ichbeide verschonen mit meinen Kunsttheorien.
11. An Friedrich Raßmann.
Berlin, den 20. Oktober 482t.
Einliegend erhalten Euer Wohlgeboren einen kleinenBeitrag zum „Rheinisch-westfälischen Musenalmanach".
Aus den paar Worten, die ich im „Gesellschafter"über den Almanach gesagt habe, ersehen Ew. Wohl-
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