Es ging schon gegen Mitternacht, da begab ich michnach dem Hause meiner Dulcinea de Tobosa, um unterihren Fenstern die Rolle meines Almansor in der Wirk-lichkeit zu spielen. Aber ich hatte leider keinen Mantelwie mein Almansor, und mußte frieren wie ein Schneider.Auch hatte ich statt einer hellgestirnten andalusischenSommernacht nur einen aschgrauen Himmel, feuchtenHamburger Nationalwind, und durchfröstlendes Regen-geträufel. Denn der gelbe Kuppler, der mich so oft be-logen, hatte stch aus Scham hinter seine Wolkenbatterienverkrochen, und beleuchtete nur mit einzelnen Strahlendas Haus aller Häuser. — Ich brauche Dir nicht zu er-zählen, liebster Wimmer, wie sehr ich da gewimmert.Alle Tollhäuser hatten ihre Wahnsinnsbilder losgelassenund mir auf den Hals gejagt. In meinem Gehirn feiertedieses verrückte Gesindel seine Walpurgisnacht, meineZähne klapperten die Tanzmusik dazu, und aus meinerBrust ergossen sich warme Ströme von rotem, rotemHerzblut. Unheimlich umrauschten mich diese Blut-wogen, betäubend umnebelte mich der Duft ihrer Nähe,und sie selbst, sie selbst erschien oben am Fenster, undnickte herab, und lächelte herab, in all ihrer leuchtendenSchönheitsglorie, so daß ich zu vergehen glaubte vor un-endlicher Sehnsucht, und Wehmut und Seligkeit. —
Doch doppelschneidender Schmerz zerriß mein inner-stes Gemüt, als ich bemerkte, daß meine Phantasie michwieder in den April geschickt hatte. Das schaurigsüßeLockcnköpfchen, das mir so huldreich herabgenickt, warnur die alte Gouvernante, die ihre Jalousien zugemacht,der wundersame Duft, der meine Sinne umnebelte, warnur der Geruch aus einem nahen Käseladen, und der
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