habe, wirst Du gewiß schon an Rousseau erzählt haben,lieber Steinmann; ich habe jetzt, bis auf einige Zeilen,den dritten Akt meiner Tragödie geschlossen. Das warder schwerste und längste Akt. Hoffentlich werde ichdiesen Winter die beiden übrigen Akte auch vollenden.Wenn das Stück auch nicht gefallen wird, so wird esdoch wenigstens ein großes Aufsehen erregen. In diesesStück habe ich mein eigenes Selbst hineingeworfen, mit-samt meinen Paradoxen, meiner Weisheit, meiner Liebe,meinem Hasse und meiner ganzen Verrücktheit. Sobaldich es ganz fertig habe, übergebe ich es ohne weiteresdem Drucke. Es wird schon aufs Theater kommen —gleichviel wann — Anstrengung hat mir das Stück schongenug gekostet. Und aufrichtig gesagt, ich fange fast anzu glauben, daß eine gute Tragödie zu schreiben vielschwerer sei, als eine gute Klinge zu schlagen; obzwarman in einer Paukerei auf den Schläger zwölf Gängeund in einer Tragödie nur fünf Gänge zu machenbraucht. — Ich habe mich ganz an den Komment desAristoteles gehalten, und habe seine Mensur in Hinsichtdes Orts, der Zeit und der Handlung gewissenhaft ange-nommen. — Ich habe ferner auch gesucht, etwas Poesiein meine Tragödie zu bringen; freilich nicht so viel alsim „Cervantes" von Hofrat G. Döring. Uber meineGedichte nächstens. — Du siehst, mein guter Steinmann,daß ich, gegen meine Gewohnheit, viel auf einmal ge-dichtet habe. Von Dir hoffe ich dasselbe zu hören. Mitwieviel hundert Stanzen ist Deine Muse niederge-kommen? Sind die Kindlein wohlgestaltet? Schonenicht das kritischeAmputiermesser, wcnn's auch das liebsteKind ist, das etwa ein Buckelchen, ein Kröpfchen oder ein
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