Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
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anderes Gewächschen mit zur Welt gebracht hat. Seistreng gegen Dich selbst; das ist des Künstlers erstes Ge-bot. Ich glaube, Dir hierin oft ein Beispiel gegeben zuhaben. Mit unsermPoeten" geht's, gottlob! recht gut.Er hat bisher, wie Du weißt, mit der Muse in wilderEhe gelebt, hat mit seinem Gasscnmcnsch, der Oema-Zozis, manchen Wcchselbalg erzeugt, und wenn er jamal die echte Muse schwängerte, so hatte er bei solcherSchwängerung nie daran gedacht, ob er einen Knabenoder Mädchen, einen Mops oder eine Meerkatze wollte.Ich darf mich rühmen, daß ich ihn endlich in den heiligenDom der Kunst geführt, seine Hand in die der wahrenMuse gelegt, und über beide den ehelichen Segen aus-gesprochen habe. Ich bin freilich nicht würdig genug,um solche Weihe der Poesie auszuüben; doch wo derPriester fehlt, da kann auch oft eine schlichte Hebammedie Nottaufe verrichten. Wahrlich, lieber Steinmann,Du wirst vor Bewunderung die Augen aussperren, wennDu siehst, welch ein tüchtiger Poet unserP o c t" jetztgeworden ist. Er hat meine Ermahnungen beherzigt, unddie oben angedeuteten zwei Hauptfehler: das Dichten,ohne dabei zu denken und das Follenische Kraftwortere-sieren endlich abgelegt. Ich habe lange nichts so Hüb-sches und Zartes gelesen, wie eins seiner Sonette; seineApologie des Nibelungenliedes enthält wahre poetischeSchönheiten und ergreifende Stellen; endlich der So-nettenkranz, womit er des Freundes krankes Haupt um-sungen hat, duftet und flimmert wie goldener Johannis-berger in einem schöngeschliffenen Kristallpvkal. Duweißt, ich lobe selten; aber wenn ich Grund zum Lobenhabe, so quillt es mir um so unaufhaltsamer aus der

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