5. An Friedrich Steinmann.
Göttingen, den 2». Oktober 1820.
Mit zusammengezogener Stirn und rollenden Augenwar ich just im Begriff, einen Himmel und Hölle zer-sprengenden Fluch herauszudonnern, womit ich dendritten Akt meiner Tragödie schließen wollte, als einköniglich hannövrischer Beamte im Scharlachrock meineStubcntür öffnete und mir einen Brief von Dir über-gab. Herzlich, recht herzlich habe ich mich Da gefreut; er-heitert, recht lebendig erheitert hat sich mein ganzesWesen; doch der Fluch, der hübsche Fluch ist dadurch zumTeufel gegangen. Indessen, der Schaden ist so großnicht, Heine kann nicht lange in einer seelenvergnügtenStimmung bleiben, und vielleicht schon die nächsteStunde schickt mir Arger an den Hals; die bösen Geistersteigen wieder ins Haupt und besagter Tragödienfluchbricht um so furchtbarer heraus.
Wirklich schon, während ich diese Zeilen schreibe,verfliegt allmählich meine vergnügte Stimmung; diealten Schmerzen begeben sich wieder nach ihrer altenKneipe, welche leider meine eigene Brust ist, und dieseganze Familie Schmerz beginnt dort wieder ihr altesTreiben; die blinde Großmutter Wehmut hör ichtrippeln, ein neugebvrnes Töchterchen hör ich greinen,Fräulein Reue — so wird diese Kleine getauft,und in ihrem ewigen Gegreine unterscheide ich die Worte:„DuhättestinBonnbleibensolle n."
Das sind ärgerliche Worte. Doch was hilft's, wennich sie in allerlei Variationen nachgreine, und die ganzeTonleiter durchseufze! — Ich habe es ja nicht besser
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