Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
8
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gewiß, daß sie viel sanfter und süßer sind; wie in Honiggetauchter Schmerz. Ich bin auch gesonnen, sie balde(das kann indessen doch noch viele Monate dauern) inDruck zu geben. Aber das ist die Schwerenotssache: daes dazu lauter Minnelieder sind, würde es mir als Kauf-mann ungeheuer schädlich sein; ich kann Dir dies nichtso genau erklären, denn Du kennst nicht den G e i st, derhier herrscht. Und gegen Dich kann ich's aufrichtig ge-stehen: außerdem daß in dieser Schachcrstadt nicht dasmindeste Gefühl für Poesie zu finden ist, es seien denneigens bestellte Hochzeits Leichen oder Kindtaufs-Carminaden, so hat sich auch noch dazugeselltseit einiger Zeit eine schwüle Spannung zwischen dengetauften und ungetauften Juden (alle Hamburger nenneich Juden, und die ich, um sie von den Beschnittenen zuunterscheiden: getaufte Juden benamse, heißen auch vuIZo:Christen). Bei so bewandten Umständen läßt sich leichtvoraussehen, daß Christliche Liebe die Liebcslieder einesJuden nicht ungehudelt lassen wird. Da ist guter Ratteuer; auch ohnedies weiß ich nicht, wie man eine Buch-herausgabe bewerkstelligt, und darin sollst Du mich be-lehren, Christian; verstehst das ja besser.

Ich lebe hier ganz isoliert; aus obigen Andeutungenkannst Du Dir dies sehr leicht erklären. Mein Oheimlebt aus dem Lande. Dort geht es sehr geziert und ge-schwänzelt zu, und der freie unbefangene Sänger sündigtsehr oft gegen die Etikette. Diplomatisches Federvieh,Millionäre, hochweise Senatoren :c. ?c. sind keine Leut fürmich. Der homerisch göttliche herrliche Blücher aber warunlängst hier, und ich habe das Glück gehabt in seiner Ge-sellschaft zu speisen bei Onkel; so ein Kerl macht Freude.

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