Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
7
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gestalten, die aus den gähnend weiten blutigen Herz-wunden hervorsteigen. Sei nicht böse, Christian, ichbin Dir ja so gut, so gut, und bin so gewaltig unglücklichdran. Willst Du mich auch verstoßen? Ach, die Stimmeim Herzen hat mich sehr getäuscht, wird sie auch diesmalLügnerin sein? Christian, sag ja oder nein. Du bistallein übergeblieben, sag ja oder nein. Bei allem, wasDir heilig ist, sag mir die Wahrheit. Ja? nun so Habich auch Hoffnung, daß mir die Stimme des Herzensauch bei Molly nicht lügt. Nein? nun

Schreib bald, lieber Christian, ja, willst Du?

Das ist auch eine herzkränkende Sache, daß s i emeine schöne Lieder, die ich nur für sie gedichtet habe, sobitter und schnöde gedemütigt und mir überhaupt indieser Hinsicht sehr häßlich mitgespielt hat. Abersolltest Du es wohl glauben, die Muse ist mir dcmohn-geachtet jetzt noch weit lieber als je. Sie ist mir einegetreue tröstende Freundin geworden, die ist so heimlichsüß und ich liebe sie recht inniglich. Wie tief treffenmich jetzt die Worte Goethes im Tasso:

Alles ist dahin! Nur eines bleibt:

Die Trane hat uns die Natur verliehen,

Der Schrei des Schmerzens, wen» der Mann zuletztEs nicht mehr trägt Und mir noch über alles,Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede,

Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen:

Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,

Gab mir ein Gott, zu sagen wie ich leide."

Ich dichte viel; denn ich habe Zeit genung, und dieungeheure Handelsspekulationen machenmir nicht viel zu schaffen; ob meine jetzigen Poesienbesser sind, als die früheren weiß ich nicht; nur das ist