Druckschrift 
1 (1906)
Entstehung
Seite
XI
Einzelbild herunterladen
 

zu cindringenderer Beschäftigung mit dem Dichter gegeben.Auch erkannte er instinktiv das Gegensatzliche von GoethesArt und Kunst zu der seinen und hatte in ängstlicher,frostiger Abwehr stch gegen eine intimere Kenntnis seinerDichtung gesträubt. In der Ruhe dieses neuen Aufent-halts in Lüneburg wird das nun anders. So kann er dennan L u d w i g R o b e r t, den Bruder Rahels, schreiben:Ich habe jetzt bis auf eine Kleinigkeit den ganzenGoethe gelesen"!!! undIch bin kein blinder Heidemehr, sondern ein sehender. Goethe gefällt mir sehrgut."

Mitte Januar 1824 zog Heine, um die juristischenStudien zu beenden, wiederum nach Göttingen,das er damals, als er relegiert wurde, nur allzu gernverlassen hatte. War es bei jenem ersten GöttingerSemester mit demOchsen", um dcssentwillen er eigent-lich hingegangen war, nicht viel geworden, so gelanges ihm diesmal wirklich, wenn auch nicht in so kurzerZeit, als er gehofft hatte, der Pandekten Herr zu werdenund im Juli 1825 zum Or. jur. zu promovieren. Einanderes wichtiges Ereignis dieser Göttinger Zeit fälltnoch vor die Promotion: sein Übertritt zumChristentum, der in dem unweit gelegenenHeiligenstadt am 28. Juni vor sich ging. Schon geraumeZeit hatte Heine sich mit dem Gedanken der Taufegetragen. Er hatte einst, als Student, mit Ernst undEifer an Bestrebungen teilgenommen, die auf eine Reformdes Judentums nach innen und außen abzielten. Erhatte sehen müssen, wie solche Bemühungen an derGleichgültigkeit der einen, der Halbheit der anderenscheiterten, hatte viel und früh unter dem Judenhaß ge-

XI