bange Sorge um die Zukunft, vor allem in pekuniärerBeziehung. In fast allen Briefen, seit der Studenten-zeit, spielt die Geldfrage eine große Rolle, für denjenigen,der den Dichter in den Jahren des menschlichen undkünstlerischen Reifens gern von den Hemmungen desAlltags befreit sähe, eine beschämend große Rolle. InHeine selbst verträgt sich allerdings Poesie und solcheProsa des Lebens überraschend gut.
Zwar für den Augenblick treten die Geldsorgenwieder zürück: der Oheim Salomon, der ihm die Mittelzum Lebensunterhalt gewährt, hat ihm noch zwei JahreStudium zugestanden und so schmiedet Heine, hoffnungs-freudigcr, allerlei Zukunftspläne. Der Gedanke einerakademischen Laufbahn wird von neuem erwogen, erdenkt sogar vorübergehend daran, Diplomat zu werden,und zwar in Frankreich, wie er überhaupt die Möglich-keit, dauernd nach Paris überzusiedeln, von nun an nichtaus den Augen verliert. Vorläufig will er wieder einmalRast im Elternhause halten und so geht er im Mai nachLüneburg, wohin die Seinen ihren Wohnsitz ver-legt hatten. Hier lebte er, zumal unter dem Einflußdes in der kleinen Stadt herrschenden Judenhasses, sehrzurückgezogen. Er treibt ausgedehnte Lektüre, entwirftdie Skizze zu einem neuen Trauerspiele und plantund bildet allerlei Lyrisches. — Trotzdem er noch vorwenigen Monaten an Moser geschrieben hatte: „Eintrüber Unmut wird mich auf immer von Hamburgzurückhalten", ging er doch im Juli dorthin, um vorallem mit dem Oheim Salomon, zu dem seit der Hoch-zeitsfeier der Schwester Lotte im Juni ein leidlichesVerhältnis hergestellt war, den Plan einer Übersiedelung
IX