289
Bruder, gab ihm die Sache zu erkennen, und hieß den-selben eiligst hereinschlüpfen, und ihm den Kopf ab-schneiden, damit er nicht, sähe man ihn und fände, Werer sei, denselben ebenfalls in's Verderben brächte.Dem schien Das wohlgesprochen, und er befolgte eswirklich, paßte dann den Stein wieder in die Fuge undging nach Hause mit dem Kopf seines Bruders. Wiees nun Tag ward und der König in das Gemach trat,wurde er ganz betroffen durch den Anblick von demLeibe des Diebs, der ohne Kopf in der Schlinge stak,während das Gemach unbeschädigt war, ohne Eingangund ohne ein Schlupfloch nach aussen. In dieser Ver-legenheit soll er es nun also gemacht haben. Er hingden Leichnam des Diebes an der Mauer auf und stellteWächter dazu, mit dem Befehl, falls sie Einen weinenoder wehklagen sähen, Den sollten sie ergreifen und zuihm führen. Als nun der Leichnam aufgehängt war,soll es seiner Mutter arg gewesen sein. Sie sprachmit ihrem übriggebliebenen Sohne und gebot ihm, eszu veranstalten, wie er nur könne, daß er den Leibseines Bruders herunterkriegez und, wenn er das unter-lassen wollte, drohte sie ihm, zum König zu gehen undanzuzeigen, daß er die Schätze habe. Als sich nun dieMutter so hart anließ gegen den übriggebliebenen Sohn,und Alles, was er ihr sagte, vergeblich war, soll erfolgenden Kunstgriff angewandt haben. Er schirrte Esel
Heine, Gedichte. m
19