343
sachten mir einen Puls, der mehr einem steten Triller als abge-setzten Schlägen glich, dabei wurden mir Hände und Fuße kalt,und bei jeder Bewegung stellte sich ein Schwindel ein, der mirmit uninittelbarer Auflösung drohte. Schreiben konnte ich öftersWochenlang gar nicht, nicht einmal Bstchertitel für die Biblio-thek. Noch begreife ich kaum, wie ich den langen Brief wegender Sämereien an den Vetter habe schreiben können, es waraber bloß die temporelle Stärkung vermuthlich, die mir der Ge-danke an Säen und Pflanzen, an den Frühlingsgeruch undmeinen Garten mittheilte, was mich so lange erhielt. Siehe,lieber Bruder, dieses war auch die Ursache, warum ich DeinemWunsche an den Landgrafen zu schreiben nicht habe willfahrenkönnen. Schon die Vorstellung, daß ich so etwas thun sollte,machte mich ängstlich, und ich habe oft, wenn eS mir einfiel,anfangen müssen Etwas zu unternehmen, das mich ganz vonmir wegbrachte. Mein gewöhnliches Mittel war in solchenFällen, in allen Sprachen, die ich etwas verstehe, bis auf Ivozu zählen. Es wird ja aber Jemand diesem braven Herrn ge-sagt haben, daß ich krank bin. Indessen hoffe ich es künstigeinmal wieder gut zu machen.
Nun seit 8 Tagen verspüre ich sehr merkliche Besserung, unddiese habe ich größtentheils folgender Lebensart zuzuschreiben,die ich seit 3 Wochen führe. Ich wohne auf einem sehr ange-nehmen Garten in einem herrlichen Zimmer, das rund herumden vortrefflichsten Prospect hat. Des Morgens um 4 Uhr steheich aus und bin um S Uhr, wenn es die Witterung verstauet,schon im Garten, wo ich eine Schaale Bouillon, die ich ausder Prinzenküche erhalte, ausesse, und eine Stunde nachher denDriburger Brunnen trinke. Um halb 9, wenn es heiß wird,gehe ich auf mein Zimmer, lese und gehe umher bis um halb