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Kew und Richmond sind so mit Lorbeer und anderen immer-grünen Stauden und Bäumen besetzt, unter denen so viele Vö-gel singen und flattern, daß ich kaum inne werde, daß das dieZeit ist, da man in Göttingen (fast in derselben Breite) imSchlitten fährt. Noch vorgestern habe ich an einem solchenTage die ganze Tour durch den hiesigen Garten gemacht. DieGlashäuser waren zum Theil aufgezogen, die Vögel sangen voll-stimmig , die Gold - und Silberfische spielten in ihren Bassins,bei jedem Schritt fast sah ich bald nah bald fern den Goldfasanoder einen andern Vogel über den Weg schlüpfen, der nunnach einem Wasser zu führen schien, dann auf einmal sich wen-dete und mir eine reizende Gegend, oder einen niedlichen Tem-pel in der Ferne zeigte. Die zwei Stunden, die ich in diesenromantischen Spaziergängen in der süßesten Melancholie zuge-bracht habe, sind mir wie wenige Minuten hingegangen.
So lebe ich, wenn das Wetter schön ist; was thue ich aber,wenn es häßlich ist? Wenn es nebelt, gütiger Himmel wasfür ein Ort ist Kew da! Die Nebel sind nicht allein häufigerals bei uns und am Rhein, sondern auch dicker. Der Englän-derzieht den Kragen seines Überrocks über die Nase und schleichtin seinen Grillen fort, einige weissagen, andere bekehren sichund andere erschießen sich, und was thue ich? Ich sehe zuwei-len stundenlang in mein Eaminfcuer, suche Gesichter in denKohlen und ihre Gestalten und denke an Göttingen und anmeine Freunde und Freundinnen. Wohl dem, der bei einemso schweren Himmel ein gutes Gewissen hat und nicht verliebtist, wenigstens nicht mit bösem Prospekte, sonst schneidet er sichden Hals ab wie Lord C., erschießt sich wie mein Nachbar neu-lich , oder erdenkt sich wie am vorigen Sonnabend ein jungesschönes Mädchen von 16 Jahren gethan hat. Sehr oft aber