— 310 —
2.
I m Kl a i .
Die Freunde, die ich geküßt und geliebtDie haben das Schlimmste an mir verübt.
Mein Herze bricht; doch droben die Sonne,
Lachend begrüßt sie den Monat der Wonne.
Es blüht der Lenz. Im grünen WaldDer lustige Vogelgesang erschallt.
Und Mädchen und Blumen, sie lächeln jungfräulich —O schone Welt, du bist abscheulich!
Da lob' ich mir den Orcns fast;
Dort kränkt uns nirgends ein schnöder Contrast;Für leidende Herzen ist es viel besserDort unten am stygischen Nachtgewässer.
Sein melancholisches Geräusch,
Der Stymphaliden ödes Gekreisch,
Der Furien Singsang, so schrill und grell.
Dazwischen des Cerberus' Gebell —
Das paßt verdrießlich zu Unglück und Qnal —Im Schattenreich, dem traurigen Thal,In Proserpinens verdammten Domainen,
Ist alles im Einklang mit unseren Thränen.
Hier oben aber, wie grausamlichSonne und Rosen stechen sie mich!
Mich höhnt der Himmel, der bläulich und mailich —O schöne Welt, du bist abscheulich
3.
Leib und Seele.
Die arme Seele spricht zum LeibeIch laß nicht ab von dir, ich bleibeBei dir — Ich will mit dir versinkenIn Tod und Nacht, Vernichtung trinken!