Druckschrift 
4 (1855) Deutschland. Atta Troll. Romanzero. Neueste Gedichte
Entstehung
Seite
250
Einzelbild herunterladen
 

250

Es ist nicht Liebesweh, was mich beschlcichct.Ich schwärme nicht, ich bleibe bei Verstand;Doch wunderbar ihr Wesen mich erweichetUnd heimlich bebend kiifs' ich ihre Hand.

Ich glaub', am Ende brach ich eine Lilie,Die gab ich ihr und sprach ganz laut dabei:Hcirathe mich und sei mein Weib, Ottilie,Damit ich fromm wie du und glücklich sei.

Was sie zur Antwort gab, das weiß ich nimmer.Denn ich erwachte jählings und ich warWieder ein Kranker, der im KrankenzimmerTrostlos darniederliegt seit manchem Jahr.

18.

Sic erlischt.

Der Vorhang fällt, das Stück ist aus,Und Herrn und Damen geh» nach Haus.Ob ihnen auch das Stück gefallen?Ich glaub' ich hörte Beifall schallen.Ein hochverehrtes PublikumBeklatschte dankbar seinen Dichter.

Jetzt aber ist das Haus so stumm,Und sind verschwunden Lust und Lichter.

Doch horch! ein schollernd schnöder Klang,Ertönt unfern der öden Bühne;Vielleicht daß eine Saite sprangAn einer alten Violine.

Verdrießlich rascheln im Parterr'

Etwelche Ratten hin und her,'

Und Alles riecht nach ranz'gcm Oelc.Die letzte Lampe ächzt und zischtVerzweiflungsvoll und sie erlischt.Das arme Licht war meine Seele.