— 184 —
Ihre ganze Seele stickteSie hinein, und LiebesthräneHat gefeit das scidne Bildwerk,
Welches darstellt jene Scene:
Wie die Grafin den RnddlSterbend sah am Strande liegen.Und das Urbild ihrer SehnsuchtGleicht erkannt' in seinen Zügen.
Auch Ruddl hat hier zum erstenUnd zum letzten Mal erblicketIn der Wirklichkeit die Dame,
Die ihn oft im Traum entzücket.
Uebcr ihn beugt sich die Gräfin,
Hält ihn liebevoll umschlungen.
Küßt den todesbleichcn Mund,
Der so schön ihr Lob gesungen!
Ach! der Kuß des Willkomms wurdeAuch zugleich der Kuß des Scheidens,Und so leerten sie den KelchHöchster Lust und tiefsten Leidens.
In dem Schlosse Blay allnächtlichGicbt's ein Rauschen, Knistern, Beben,Die Figuren der TapeteFangen plötzlich an zu leben.
Troubadour und Dame schüttelnDie verschlafnen Schattenglieder,
Treten aus der Wand und wandelnDurch die Säle auf und nieder.
Trautes Flüstern, sanftes Tändeln,Wehmuthsllße Heimlichkeiten,Und posthume GalantrieAus des Minnesanges Zeiten:
,,Gcoffroy! Mein todtcs HerzWird erwärmt von deiner Stimme,In den längst crloschncn KohlenFühl' ich wieder ein Geglimme!"