— 104 —
Caput XVI.
Schaust du diese BergesgipfelAus der Fern', so strahlen sie,Wie geschmückt mit Gold und Purpur,Fürstlich stolz im Sonnenglanze.
Aber in der Nähe schwindetDiese Pracht, und wie bei andernIrdischen ErhabenheitenTäuschten dich die Lichteffekte.
Was dir Gold und Purpur dünkte.Ach, das ist nur eitel Schnee,
Eitel Schnee, der blöd und kläglichIn der Einsamkeit sich langweilt.
Oben in der Nähe hört' ichWie der arme Schnee geknistert.
Und den fühllos kalte» WindenAll' sein weißes Elend klagte.
„O, wie langsam — seufzt' er—schleichenI» der Oede hier die Stunden!
Diese Stunden ohne Ende,
Wie gefror'ne Ewigkeiten!
„O, ich armer Schnee! O, wär' ich,Statt auf diese Bcrgeshöhen,
Wär' ich doch in's Thal gefallen.
In das Thal, wo Blumen blühen!
„Hingcschmolzcn wär' ich dannAls ein Bächlein, und des DorfesSchönstes Mädchen wüsche lächelndIhr Gesicht mit meiner Welle.
„Ja, ich wär' vielleicht geschwommenBis in's Meer, wo ich zur PerleWerden konnte, um am EndeEine KöntgSkron' zu zieren!"