sehr grell absticht gegen die andern Urtheile, dieüber Heine's Gedichte gefällt worden, und daßdie meisten Leser derselben uns entgegnen werden:Wir haben uns wenigstens bei diesen Gedichtennicht wie bei den gewöhnlichen Wasserversen ge-langweilt, und die Wahrheit der Leidenschaft undKühnheit der Darstellung, die darin herrscht, hatuns tief erschüttert.
Aber ist jenes Erschüttertwerden, jener galva-nische Stoß, der Zweck der Poesie? Nein,wahrlich nicht! Poesie soll wirken wie — Reli-gion. Wie wir in der frühesten Zeit die Religionmit der Poesie Hand in Hand gehn sehn, wiedie Poesie der Religion als Kleid und die Reli-gion der Poesie als Stoff, als Seele, diente, sosoll es auch jetzt noch sein. Wie es besondersder Zweck unserer heiligen christlichen Religionist, die zerissenen Gemüther zu heilen, zu stärken,zu erheben, so soll sich auch unsere Poesie jenenZweck vorzeichnen, und wenn es auch in ihrem