Matliem atik.
1483
währt befanden, die richtige sey; aber dennoch ist derEinwurf, dafs eine Hypothese einer grofsen Reihe von Er-scheinungen entsprechen und dennoch unrichtig seyn könne,nicht ganz ungegründet. Die Tychonische Hypothese über dieAnordnung des Planetensystems, dafs nämlich die Erde ruhe,der Mond und die Sonne Bahnen um dieselbe durchlaufen,die sämmtlichen Planeten und Kometen aber Bahnen um dieSonne beschreiben und dafs die Sonne bei ihrem Umlaufeum die Erde alle diese Bahnen und die auf ihnen bewegtenKörper mit sich fortführt, ist gewifs irrig, aber sie entsprichtbeinahe allen Erscheinungen, und wenn man die Aberrationdes Lichts nicht kennte, welche geradezu auf eine Bewe-gung der Erde hindeutet, und das dritte Kepler’sche Gesetz(dafs sich die Quadrate der Umlaufszeiten wie die Cubi derEntfernungen verhalten) nebst den Newton’schen Attractions-gesetzen unbekannt geblieben wären, so könnte man diese Hy-pothese allerdings mit vielen Gründen vertheidigen. Ein eben-solches Beispiel für die Uebereinstimmung zwischen Theorieund Erfahrung geben die beiden Theorieen des Lichts, diebeide sich an sehr zahlreiche Erfahrungen anschliefsen und.dennoch nicht beide richtig seyn können. Die Betrachtungsolcher Beispiele ist allerdings geeignet, gegen eine allzu si-chere Behauptung, dafs wir die Wahrheit ganz gewifs er-kannt und durch mathematische Schlüsse bestätigt haben , et-was mifstrauisch zu machen, aber sie erschüttert die Behaup-tung nicht, dafs unter den uns dem Irrthum unterworfenenMenschen verliehenen Mitteln, zur Erkenntnifs der Wahrheitin Beziehung auf die Naturerscheinungen zu gelangen, dieMathematik zu den vorzüglich sicheren gehört. Dem Irrthumbleiben wir fast überall möglicher Weise ausgesetzt und müs-sen dieses demüthig anerkennen, aber dieses ist gewifs beider sogenannten naturphilosophischen Methode weit mehr derFall, als bei der mathematischen. Diese zu befolgen, sieüberall, wo es möglich ist, anzuwenden und mit ihrer Hülfedie Erfahrung Schritt für Schritt mit dem, was eine zumGrunde gelegte Hypothese angiebt, zu vergleichen, das istgewifs im Allgemeinen der am meisten zu empfehlende Gangder Naturforschung, und unser jetziges Zeitalter verdankt gro-lsen Theils dieser Forschungsweise die so grofsen und raschenFortschritte, deren wir uns et freuen.