Materie.
1497
sie unserer Wahrnehmung entschwinden, wodurch dann jedeweitere Untersuchung unmöglich wird. Insofern aber die Ma-terie als bereits existirend von uns erkannt wird , nach demeben Gesagten aber weder die Art ihrer Entstehung, noch dieabsoluten Bedingungen ihres Seyns von uns erforscht werdenkönnen, weil ihre eigentliche Wesenheit gar nicht erkennbarist, so kann blofs die Frage seyn, was die Materie für unsereErkenntnifs derselben ist, oder welchen Begriff wir mit demAusdrucke Materie eigentlich verbinden. Der Zweck der gan-zen Untersuchung kann daher nur seyn, keine Unbestimmt-heit über den Begriff desjenigen zu lassen, was das Objectder gesammten Naturforschung ist.
Zum Begriff der Materie gelangen wir durch Wahrneh-mung der Körper, und da jeder Körper nach drei Dimensio-nen ausgedehnt ist, folglich einen Raum einnimmt, dieserRaum zwar kleiner werden kann als unsere Vorstellung reicht
O
(da sich leicht nachweisen läfst, dals z. B. der billionste Theileines Sandkorns keine deutlich oder überhaupt vorstellbareGröfse mehr ist), nie aber unendlich klein werden kann, solanee unser Begriff von Materie und Ausdehnung statt findensoll, weil das geometrisch unendlich Kleine und unendlichGrofse aufser den Grenzen des endlichen Verstandes liegt undin der Geometrie selbst nie ein Gegenstand wirklicher Mes-sung ist, so folgt hieraus unmittelbar, dafs der Begriff desAusgedehntseyns mit unserer Vorstellung der Materie noth-wendig verbunden ist. Sofern aber von keiner andern Mate-rie, als der von uns vorgestelllen , die Rede seyn kann, sonennen wir mit Recht Ausdehnung als nothwendige erste Be-dingung unsers Begriffes von der Materie, oder, mit andernWorten , wir legen der Materie die Ausdehnung als ihr noth-wendig zukommend bei. Es ist hiernach also gewifs, dafsder Begriff der Ausdehnung mit der Vorstellung der Materienolhwendig verbunden sey, wozu man noch setzen kann, dafsdie Ausdehnung, als selbst räumlich, zugleich im Raume ge-dacht werden mufs; wenn aber Kant die Materie das Be-wegliche im Raume nennt, so streitet hiergegen die unleug-bare Thatsache, dafs man lange Zeit die ganze Erde als aus-gedehnt und materiell, aber als unbeweglich im Raume ge-dacht hat, mithin mufs die Materie auch als unbeweglich ge-dacht werden können, abgesehn davon, dafs die Frage über