Druckschrift 
6,1 (1831) L
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

Erster Meridian.

3

Verwirrung ein Knete zu machen, würde im Jahre 1630 inFrankreich unter Ludwig XIII. durch den Cardinal Richelieu,damaligen ersten Minister, ein Congrefs der berühmtesten Ma-thematiker und Astronomen veranstaltet, .welche den 25. Aprilim Arsenale zu Paris zur Bestimmung eines unparteiischen ge-meinsamen Meridians sich versammelten. Eine im Juli dessel-*ben Jahres vom Könige und Parlamente bestätigte Verordnungsetzte endlich fest, dafs der erste Meridian durcli die Westlichsteder canarischen Inseln, die Insel Ferro, gelegt werden sollte}wobei zugleich allen französischen Seefahrern die Erlaubnifs ge-geben wurde, westlich von diesem Meridiane und aufserhalb dessüdlichen Wendekreises spanische und portugiesische SchifFe solaiwe aufzubringen, bis diese beiden Nationen den Handel inihren indischen Gewässern freigeben würden«

Es war nun noch darum zu thun, die MeridiandifferenZdieser Insel von Paris zu bestimmen. Mancherlei Hindernisse,Kriege u. s. w. setzten die Ausführung dieses Zweckes bis zunlJahre 1724 zurück, da der Minorite Louis Feüillee den Auf-trag und eine von den Astronomen Cassini und Mahaldi ab-gefafste Instruction erhielt, die Länge von Ferro direct zu be-stimmen. Ungünstige Witterung und die Unzulänglichkeit derdamaligen Methoden, die sich hauptsächlich auf Verfinsterungder Jüpiterstrabanten beschränkten, liefsen ihn den Zweck seinerSendung nur unvollkommen erreichen und die spätem Arbeitenvon Verdun, de Borda und Pingre brachten ebenfalls keinangemessenes Resultat. Man begnügte sich nun, die Insel Ferroin runder Zahl auf 20° westlich von Paris anzunehmen, und sdist der vermeinte, Von den deutschen Geographen so hoch ge-haltene Meridian von Ferro weiter nichts, als der verkapptePariser Meridian. Dafs er wirklich nicht der Meridian der InselFerro ist, sondern zwischen Ferro und Goinera in die offeneSee fällt, beweisen eben die Beobachtungen von de Borda undPingre 1 . Diesen zufolge liegt die Ostspitze jener Insel in20° 17 / und ihr Westende in 20° 30. Wollte man einen Me-ridian wählen, der weder die Pariser Sternwarte, noch diejenigevon Greenwich dnrchschnitte, so wäre es weit besser gewesen,dem Rathe Stevins zu folgen und ihn durch den Fic von Te -

1 v. Zack. Mon. Corr. z d ßeförderrfng d. ErdBd. XV und XVI«

. Himmcdskunde.

A 2