Druckschrift 
4 (1840)
Seite
199
Einzelbild herunterladen
 

199

Die Passion, wie sie sich in der französischenTragödie gcberdet, jener nnanfhörliche Sturmder Gefühle, jener beständige Donner und Blitz,jene ewige Gcmüthsbewcgnng, ist den Bedürf-nissen des französische» Publikums eben so sehrangemessen, wie es den Bedürfnissen eines deut-schen Publikums angemessen ist, daß der Autordie tollen Ausbrüche der Leidenschaft erst langsammotivirt, daß er nachher stille Partiecn eintretenläßt, damit sich das deutsche Gemülh wiedersanft erhole, daß er unserer Besinnung und derAhnung kleine Rnhestellcn gewährt, daß wir be-quem und ohne Uebcrcilnng gerührt werden. Imdeutschen Parterre sitzen friedliebende Staats-bürger und Regicrnngsbeamte, die dort ruhig ihrSauerkraut verdauen möchten, und oben in denLogen sitzen blauäugige Töchter gebildeter Stände,schöne blonde Seelen, die ihren Strickstrnmpfoder sonst eine Handarbeit ins Theater mitgc-