Druckschrift 
Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
Entstehung
Seite
731
Einzelbild herunterladen
 

^ O:

dc:

z

>>u'

. »,i.^

- ''''"!«Gtz

^ "r^SW«,

7 -

i-'.'-ü-ch

-'/^.^.liMchÄ7<^' 6jlkB

- ..,-.s»M

'-VK

. >r^.»

.45"" -«?'

.^^A"'''' it»-

<»

' '--?'«.,7.7' "

vön dem freyen Hertzogthum Lotharingen.

7Zt

VergleichHertzogCarls mitder CronFranckreich.

nur angezogenen Ursachen / und weil er mehrdas Hertzogthum/ als die Erb-tochter geliebet;daher eine übete ehe / und endlich die völligetrennung/aus dieser aber viel schädliche em-pörungen entstanden/welche diesen Herrn zeitdes gantzen lebens verunruhiget/ und vielenungewöhnlichen zufallen umerworffen habemDenn die Gemahlin begab sich in des Königsin Franckreich schuh/welches eine mit - Ursachegewesen/ warum der Hertzog vielmahl aus Lo-tharingen vertrieben/ und endlich die lande vonFrankreich eingenommen worden/indem Her-tzog Carl sich mehr als einmahl bey dem Königin Ungnade gesetzet/ den Hertzog JohannZ^aptista Gaston von Orleans / der vomHose fliehen muste/ aufgenommen / ihme widerdes Königs willen/und die gesetze dcr Cron sei-ne schwester/die princeßln Margarethen/zur ehe gegeben/die Waffen en faveur des Kay-sers ergriffen / und als Franckreich sich derve-stungen Mopenwick und Jamets versichert/aus rachgier sich gegen diese Cron feindlicherwiesen. Welches die veranlassung war/ihn von land und leuten zu vertreiben. Ernahm seine zufiucht zu der Cron Spanien/undhielte sich ;u Brüste! auf/allwo er mit Grafku-xenii Leopolds von Lantecroix frau Wittben/Leatl-ixäeculLncLgenannt/ einigekinder/ alsArinyCarlHenrichenvon Vauöemont, undFr. Annen/ Iltlii Augusti von Lotharingen/Printzens von I^islebonne, Gemahlin/ erzeuget/selbige auch auff vertröstete llissentKicm desPabsts ge'heyrathet. Durch deren vermitte-lung 6issc)nirte der Cardinal Richelieu denHertzog/sich mit Franckreich zu aecommociiren;dieweil ihme aber/seinem vorgeben nach/nichtparole gehalten wurde/oder sein wunderlichersinn vielmehr nicht ruhen kome/griff er wiederzu den Waffen/und hatte das ungluck/ daß ernach erober-uud schleiffung der vestung la.kwt-tc. zum andernmahi aus Lotharingen weichenmuste. Daber i elolvirte er sich/ feinem Herrnbruder/dem Cardinald^icolao nach

abgelegter Geistlichkeit die lande zu übergeben/und weil er ohne dem beydemWestphälischenfrieden ausgeschlossen war/ begab er sich inSpanische Niederlandische kriegS/ dienste.Weil ersieh aber einer geheimen verstandnißund tractaten mit Franckreich unter der Handverdächtig machte/ließ ihn der König in Spa-nien in arrest nehmen/ und in Spanien führen/woselbst man ihn sechs gantzcr jähre/ biß nachdem schluß des Pyrenäischenftiedens/verwah-rethat.

Darauf hat er sich gegen Franckreich luk-mittiret/ und sind ihm/auf vorhergegangeneHandlung/zwar land und teure rettimiret/ vonFranckreich aber die Herrschafften/stadte undVestungen Llairmont, sgmets, MoptN-N?ick / sirck/ und ein langer strich landes zurpastage aus Franckreich in Elsaß/ zurück behal-ten/ und die Haupt- vestung Nancy geschleiffetworden.

Dieser vergleich wurde durch folgende Ver-anlassung und conäitivnes leichter gemacht:es hatte nemlich der Hertzog erwogen / daß erausser einiger lubmiMon mit Franckreich nim-mer zur ruhe kommen würde / und weil er hicr-nechst gesehen/ daß er ohne leibes - lehns - erbenVterdte Haupt-Handlung.

einsten versterben möchte/ ließe er sich desto ehervon Franckreich clissomren. Und waren dieconcluionez folgende ! I) Daß der Aönignach des Heryogs tode die souverainitatüber die Heryogthümer Lotharingen undVarr/undderogerechtigkeiten/ samt al-ler zugehör eigenthümlich /auf die weise /wie sie bischer der Hertzog best'sten und gebrau-chet/ erlangen/ der Hertzog aber indessen auffein leben souverain bleiben solte/ doch daß erimmittelst keine neuesteuren/nochexttnorclmZr-schatzungen und auflagen einführen / und zudessen sssecuravon dem König indessen die ve-stung Marsal zur besatzung einräumen solre.

Dafür wolte 2 ) der König den Herzog zumFürsten vom geblütv / und zu der erb-nach-folge bey der Crone/ nach abgang desBour-bonischen geschlechts/ sähig machen / auch z)demselben von allen einkunffccn der Her-yogthümer zeit lebens 7OOOV0 pfund zuinvoraus überlassen; im fall aber so viel nicht aus-fiele/ den rest ersetzen. Hierüber erböte sich 4)der König / dem Heryoge ein land unterden, titul eines Heryogthums und paie-schafft von 20OOVO pfund einkommens zu ver-ordnen/ und solte ferner s) der Hertzog ivvOospfund aus denen Königlichen renken für sich undseine nachkommeN(denPrintzen von Vaude-mont mitgerechnet) zu genießen haben. Diesewaren die wichtigsten artickel/welche der Her-tzog selbst verlanget/denen noch einige andereangehänget wurden. Allein es reuete ihnnicht nur dieser Handel bald hernach/und such-te er derohalben sich der verwilligungen wie-der zu enthalfftern; sondern sein nächsterAgnat und erbe priny Carl/ seines Herrnbruders Nicolai kranciici mit Princeßin Elauäiavon Lotharingen erzeugeter Herr sohn/lehnete. sich sehr darwider auf/und wolte diesen unbil-ligen Handel durchaus nicht gestatten/ weil der-gleichen mit einem l^eicommiss beschwerte-ter/ ohne mit - einwilligung der intereßinen/nicht veräußert werden köntem protsttirteauch wider die an stiten Franckreichs unter-nommene würckliche besitznehmung fthr eife-rig/ und gieng deßhalber aus Franckreich weg.Der König versuchte aber diesen jungen Herrnzu gewinnen: Denn man schlug ihm das Her-tzogthum Berry und stattliche einkünffte / sowohl auch die Heyrath mit der Princeßin vonNemours und ausnebmung zum Printzen desgeblütes vor. Er ließ sich aber dißfalls nichtein / sondern suchte schütz und hülffe bey demErtz-Hause Oesterreich.

Etwa acht jähre hernach / als nemlich 1670 /wurde der alte Hertzog Carl anderweit / der thmingeiFcvnt52ventionen halber/ von seinem landever-^"^^trieben/indem der Frantzöische General-Feld-marschall 6e koui-llie stin Hertzogthum undlande unversehenerweise überfallen/die Haupt-stadt und Fürstliche residentz Nancp/ samt an-dern schlössern / stadten und amtern mit ge-rvalt eingenommen / und das gantze Her-tzogthum in großen ruin versitzet. Die Ursa-chen solcher prvceäuren waren bey Franckreichfolgende : Es hätte der Hertzog 1) die Königli-chen unterthanen mit sehr nachtheiligen zöllenund neuen auflagen beschweret. 2) Diemarck-stöcke/ so die Königliche und HertzoglicheZz; z ^ smcht-