Predigt am fünften Sonntage nach Trinitatis. 26e«
über Schaden oder Leid, so dir widerfahret, so er seine gnädigeAugen gegen dir wendet, und freylich auch gcdencket, als der rechteRichter und Gott, dir zu helfen? Dieses Auge wollte ich umaller Welt Gut kaufen, ja solchen Glauben, so ich ihn habenkönnte; denn es fehlet gewißlich nicht an seinem Ansehen, sondernan unserm Glauben. Zu dem, spricht er, stehen auch seine Oh-ren offen auf das Gebet des Gerechten. Wie er dich anstehet mitgnädigen, lachenden Augen, so höret et auch mit leisen, offenenOhren dein Klagen/ Seufzen und Bitten, und hörets nur gerneund mit Wohlgefallen, daß es sd bald, so du nur den Mund auf-thust, erhöret und Ja ist. Wiederum spricht er; Das Angesichtdes Herrn stehet auf die da Böses thun. Er hat ja seine Augenauf die Frommen; aber dennoch stehet er auch hierum auf den an-dern Haufen mit seinem Angesichte. Das ist nicht ein freund-licher Blick oder gnädig Gesicht, sondern ein sauer, zornig An-sehen, darob sich die Stirn runtzelt, die Nase rümpffet, und dieAugen röth und glüend funckelN, wie ein zorniger Mensch thut-Denn das heißt die Schrift das Angesicht des Herrn/ so er zür-net, wie wiederum- die Augen, das fröhliche, freundliche Ansehen.Nun, solch Angesicht Gottes, was thut es, uNd warum oder wozusieht er auf die, so Böses thun? Freylich nicht, daß er sie erhöre,oder ihnen helfe, und Segen oder Gluck gebe zu ihrem böseN Thun;sondern dazu, spricht er weiter, daß er ihr Gedächtnis von derErden ausrotte. Das ist ein greulicher, schrecklicher Spruch, da-für ein Hertz wohl möchte, als vor einem Donnerschlag, zur Erdensincken, wo nicht die Gottlosen mit so verstocktem Hertzen könntenGottes Wort verachten. Diß ist der Trost der Christen, damitsie ihteN Glauben stärckeN sollen im LeideN, daß sie in dem gnä-digen Gesicht Gottes sind, da er seine Augen uttd Ohren zu ihnenwendet, und wiederum auf ihre Feinde und Beleidiger mit zor-nigem Angesicht stehet, daß er ihnen ins Spiel greifst, daß sieMüssen entweder aufhören, oder darob zu gtuNde gehen. Das ge-schiehst auch gewißlich also, und darf niemand lange leben, er er-fähret es an ihm und andern Leuten, daß es wahr ist, wie dasSprüchwort sagt! Recht findet sich! ohtt daß es uns mangelt attiGlauben, daß wir des Stündleins nicht können erharren, lassenUns dünckcn, er verziehe zu lang, und es gehe uns zu übel. Aberes ist eine gar kurtze Zeit, und dir wohl zu harreN und zu tcagen-so du Gott glauben kannst, der deinem Feinde wohl eine Zeitlang Fristgibt, sich zu bekehren; aber das Stündlein ist ihm schon gesetzet undvorbanden, dem er nicht wird entgehen, wo es ihn obne Busse übereilet.