262 Predigt am fünften Sonnrage nach Trinitatis.
euch erhöret und wunderharlich helfen will w. Daß er aber hierweiter sagt: Bewahre deine Lippen, daß sie nicht trügen, das qeher,wie ich gesagt habe, fürnehmlich auf die Lehre und Bekenntnisderselben.
Weiter spricht der Psalm: Weiche vom Bosen und thne Gu-tes, das ist, hüte dich, daß du nicht um eines andern Bosheitwillen auch böse werdest; denn der Zorn und Rache dencket nichts,denn Schaden und Böses zu thun; darum befleisstge dich vielmehr,wo du kannst, Gutes zu thun, damit dein Hertz den Ruhm undFreudigkeit behalte, und in deiner Güte bleibest, nicht aus GottesGnade und seinem Gehorsam in des Teufels Dienst fallest, wel-cher dir also zusetzet, daß er dich wieder in feine Stricke bringe,und dein Hertz und Gewissen verbittere, daß du viel arger werdest,denn andere Leute. Item, suche Friede, spricht er, und jage ihmnach. Das ist eine feine Vexmahnung, und ein göttlicher treuerRath. Du darfest nicht dencken, will er sagen, daß dir der Friedenachlaussen, oder die Welt, viel weniger der Teufel, dir ihn zuHaus bringen wird; sondern das Widerspiel wird dir widerfahren,Unfriede von aussen wird man dir mit grossen Hopffensacken vollzutragen, und Zorn und Bitterkeit aus deinem eigenen Hertzcnsich entzünden, dich voll ewiger Unruhe zu machen, Darum, willstdu zu Frieden kommen, so mußt du nicht warten, bis dir andereLeute darzu helfen, oder du selbst mit Gewalt und Rache dir Friedeschassen werdest; sondern Key dir selbst mußt du es anfangen, daßdu dich vom Bösen zum Guten wendest, und dir darob wehe thust,daß dein Hertzc Friede habe und erhalte wider alles, das dir ihnnehmen will, daß allezeit also dein Hertz stehe - Ich will nicht zür-nen, noch Rache suchen, sondern Gott meine Sachen lassen be-fohlen fern und denen, so das Böse und Unrecht strafen sollen;aber meinem Feinde will ich wünschen, daß ihn Gott bekehre underleuchte, Und ob ich schon mehr Gewalt und Unrecht leiden soll,will ich mir dennoch den Frieden aus meinem Hertzen nicht wissennoch nehmen lassen.
Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten,und seine Ohren auf ihr Gebet.
Diesen Vers schreibe in dein Hertz mit vestem Glauben, undsiehe, ob er dir nicht Friede und Gutes schaffen wird, Kannst dudas glauben, daß Gott droben sitze, und nicht schlafe, oder an-derswo hinsehe, und dein vergessen habe, sondern mit wackern,offenen Augen stehet auf die Gerechten, die da Gewalt und Un-recht leiden: was willst du denn klagen und Unmuths werden