264 Predigt am fünften Sonntage nach Trinitatis.
Und wer ist, der euch kann Schaden thun, so ihr demGuten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um derGerechtigkeit willen: so seyd ihr doch selig.
Ihr habt, spricht er, trefflich grossen Vortheil vor alle» eurenFeinden, wer sie auch sind, weil ihr von Gott so reichlich mitewigem Segen begäbet seyd, und wisset, daß er euch schützen, hel-fen und rächen will, und also bey eurem Glauben und eurer Fröm-migkeit bleibet, daß sie euch keinen Schaden damit thun können,ob sie euch gleich etwas zu Verdruß und zu Leid meyncn zu thun,so viel sie auch thun können. Denn was kann und mag euchsolches alles schaden, weil ihr dem Guten, das ihr habt, nach-strebet und dabey bleibet?
Fürchtet euch aber vor ihrem Trotzen nicht, und er-schrecket nicht; heiliget aber Gott in eurem Hertzen.
Da gehet er abermal in die Schrift, und führet einen Spruchdes Propheten Jesaia 8, 12. 13, da er Gottes Volck vermahnet,daß sie sich für Menschen Zorn und Dräuen nicht entsetzen sollen,sondern dagtgen vest und getrost Gott vertrauen: Wie er der-gleichen Jesaia 51, 7. auch spricht: Fürchtet euch nicht, wenn euchdie Leute übel reden oder schmähen, und entsetzet euch nicht, wennsie euch lästern.
Das sollt ihr aber thun. Ihn sollt ihr heiligen, das ist, hei-lig halten und preisen, welches ist nichts anders, denn seinemWort glauben, daß ihr an ihm wahrhastig solchen Gott habt,der euch, so ihr um Gerechtigkeit willen leidet, nicht vergessen nochverlassen habe, sondern euch gnädiglich ansehe, und gedencke, selbstzu helfen und an euren Feinden zu rächen. Denn solcher Glaubeund Bekenntniß thut ihm die Ehre, daß er wahrhaftiger Gott ist,und kann ihn tröstlich und fröhlich anruffen, von ihm Hülfe gc->warten, und alle sein Hertz auf ihn wohl zufrieden stellen; denner weiß, daß sein Wort und Verheissung, als die gewisse Wahr-heit, nicht trügen noch fehlen kann.