26 V Predigt am fünften Sonntage nach Trinitatis.
Unterscheid Gott gemacht hat zwischen euch und jenen. Euch hater gesetzt zu Erben ewiger Gnade, Segens und Lebens; dagegenjene, was haben sie anders am Halse, denn das schreckliche Ur-theil, daß sie Kinder sind des ewigen Fluchs und ewigen Ver-maledeyung? Diß streichet er nun weiter aus mit einem sehr schö-nen Spruch des 34. Psalms, 13 — 17, damit er desto starckerreitze, der lautet also:
Denn wer Lust hat zum Leben, und gute Tage zu sehen,der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, undseine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vomBösen, und thue Gutes, er suche Friede, und jage ihmnach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Ge-rechten, und seine Ohren auf ihr Gebet. Das Angesichtaber des Herrn stehet auf die, so Böses thun.
Diesen Text hat der Heilige Geist durch den Propheten Da-vid vor so langer Zeit zur Lehre und Vermahnung allen Heiligenund Gottes Kindern geschrieben, und stellets uns für, wie er esin seinem Leben taglich gesehen und an ihm selbst erfahren, dazuauch aus vorigem Exempel der lieben Vater vom Anfang der Weltgehöret, und von ihm gelernet hat. Kommt her, lieben Kinder,spricht er, so ihr euch wollt lehren und rathen lassen, ich will euchdie rechte gute Lehre geben, wie man soll Gott fürchten und seineKinder werden. Wer ist, der gerne wollte Friede und gute Tagehaben? O, wer wollte das nicht gerne, spricht alle Welt, dennja jedermann darnach trachtet und ringet, und die Welt alles, wassie treibt, darum thut, daß sie meynet, solches zu erlangen.
Aber es sind zweyerley Wege dazu. Einer, den die Weltgehet, welche will also Friede suchen, daß sie mit Gewalt das Ihreerhalte, und zuvor will alle todt haben, die ihr zuwider sind, undniemand leiden, der ihr übel redet, Leid oder Böses thut. DieserWeg ist wohl dem Schwerdt und Gewalt der Obrigkeit befohlen;die sollen mit allem Fleiß solcher Weise brauchen, dem Bösen zusteuren und zu wehren, so viel sie immer können; aber sie Werdensdoch nicht alles strafen noch wehren; es wird noch viel bleiben,sonderlich, das heimlich geschieht, welches sich selbst muß strafen,entweder hier durch Busse, oder hernach in der Hölle. Aber dieChristen, für ihre Person, werden durch diesen Weg auf Erdennichts ausrichten; denn die Welt zu böse, und hilfst ihnen nicht.Darum, so du für deine Person, sonderlich als ein Ehrist, willstFriedehaben, so mußt du einen andern Weg treffen, der ist dieser, soder Psalm dir weiset, und spricht: Schweige deine Zunge, daß sie