Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

Predigt am fünften Sonntage nach Trinitatis.

thut den andern allen sanft, und wird der gantze Leib davon fröb-lich. Also soll es in der Christenheit auch seyn, weil sie auch ineuien Leib aus vielen Gliedern gesammlet, und einen Sinn undHerl« hat; denn solche Einigkeit natürlich mit sich bringet, daßsich einer des andern, beyde, Guten und Bösen, als des seinenannehme.

Brüderlich, das ist die Tugend, so insgemein bey den Chri-sten unter einander gehen soll, daß sie alle einander solche Liebeund Treue erzeigen, wie ein lieber Bruder dem andern; denn sol-ches ist auch in die Natur gepflatttzet und gebildet, daß Brüdergegen einander mehr Zuversicht habe», denn andere, sonderlich inder Nokh, als die ein Blut und Fleisch sind und in gemeinemErbe; und ob sie auch gleich sonst nicht eines sind, doch, wo sievon Fremden angefochten werden und zur Noth kommt, so nimmtsich ein Blut und Fleisch des andern an, setzen zusammen Leid,Gut und Ehre- Also sollen Christen auch gegen einander sonder-liche brüderliche Liebe und Treue haben und beweisen, als die miteinander einen Bater im Himmel und einerley Erbe, und, weilsie Christen sind, auch einerley Glauben, Hertz und Sinn haben:daß keiner den andern verachte, sondern, wo noch unter uns sind,die, beyde, an Glauben Und Sitten schwach, gebrechlich und wun-derlich sind, daß wir mit deNenselbeN mit Sanslmuth und freundlichhandeln, mit trösten, staccken, vermahnen und vertragen, wie ineinem Hause Brüder und Schwestern gegen einander thun, woeines oder mehr schwach, gebrechlich oder dürftig ist- Wie esdenn nicht kann anders zugehett; wo matt mit einander lebensbll, da muß Matt auch mancherlei) Schwachheit, Beschwerungund Unlust mit einander tragen; denn wir können nicht alle gleichstarck sevn all Glaubett, Muth, Gaben, Gütern w., und ist kei-ner, der nicht auch viel Schwachheit und Gebrechen an ihm habe,die er doch will von andern getragen haben.

Barmhertzig, freundlich; das gehet nun insgemein und durchden Haufen aller mit einander, beyde, Freunde und Feinde, Chri-sten und Verfolger. Es ist des Menschen Art und Natur, vonder Erbsünde her, daß er sich gerne räche, sonderlich an denen, dieihm ohn Utsach Leid thnN; und wo er Nicht mehr kattn, so wün-schet und fluchet er doch seinem Feinde alles Unglück, und wirdfroh, wo er höret und stehet, daß es ihm übel gehet. Nun wer-den die Christen allermeist unschuldiglich in der Welt verfolget,beleidiget, bewältiget UNd beschweret, auch von denett, (wie jetztviel geschieht,) die da auch Christen Hoisten und gerühmet werden-