Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
Seite
255
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Predigt am vierten Sonntage nach Trinitatis. t.'SZ

denn sie weiß, wie schön sie werden soll, darum sehnet und ang-stct sie sich immerdar, wie wir Christen uns auch sehnen, undwollten von Hertzen gern, daß es schier ein Ende hatte mit demTürcken, Pabst und der schandlichen Welt. Denn, sollte einernicht müde werden, solche Büberey, Sünde und Gotteslästerungwider Christum und sein Evangelium zu sehen und zu hören,gleichwie Loth zu Sodoma sehen und hören mußte. Darum sagtSt. Paulus: die Creatur warte sehnlich und angstlich auf die Of-fenbahrung und herrliche Freyheit der Kinder Gottes, und thutsolches nicht allein, sondern auch wir selbst, spricht er weiter, diewir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch Key uns selbstnach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung, be-ten und schrepen mit grossem Seufzen und Verlangen im VaterUnser: Zukomme dein Reich; das ist: Hilf, lieber Herr, daßder selige Tag deiner herrlichen Zukunft bald komme, daß wir ausder argen Welt, des Teufels Reich, erlöset, und von der greuli-chen Plage, die wir auswendig und innwendig, bepde, von bösenLeuten und unserm eigenen Gewissen leiden müssen, frcy werden.Würge immerhin den alten Sack, daß wir doch einmal einen an-dern Leib krigen, der nicht so voll Sünde und zu allem Bösenund Ungehorsam geneigt ist, wie er jetzt ist, der nicht dürfe mehrkranck seyn; Verfolgung leiden und sterben; sondern, der von al-lem Unglück leiblich und geistlich erlöset, ähnlich werde deinemverklarten Leibe, lieber Herr Jesu Christe, und wir also endlichkommen mögen zu unserer herrlichen Erlösung. Amen.

Es brauchet aber hier St. Paulus ein sonderlich Wort, wel-ches wir nicht anders haben geben können, denn: angsten. Eshcisset aber eigentlich solche Schmertzen und Wehen, wie sie einWeib in Kindesnöthcn hat, welche nichts liebers wollte, denndaß das Kindlein geboren und genesen wäre; das wünschet undHosset sie für aller Welt Geld, Gut, Ehre, Freude und Gewalt.Gleich dasselbige Wort gibt St. Paulus hier der Creatur, daß siesey in Kindesnöthen, und sich angste und martere, daß sie gerneneugeboren und von ihrem Dienst los wäre. Da sage mir nun,wer könnte der Creatur solches ansehen, daß sie in Kindesnöthensollte liegen? Keine Vernunft noch menschliche Weisheit, sie sey,wie hoch sie wolle, kann solches gedencken oder glauben. Nein,sagt sie, die Sonne ist so eine schöne, liebliche, tröstliche Creatur,daß sie nicht könnte schöner und lieblicher seyn. Also auch, wasfehlet dem Monde, den Sternen, der Erden w.? Jsts nicht al-les fein und zierlich geschassen? Wer wollte denn sagen, daß die