Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
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254
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254 Predigt am vierten Sonntage nach Trinitatis,

und den Feinden Gottes dienen. Die Sonne spricht: LieberGott, ich bin deine Creatur, darum will ich thun und leiden, wasdein göttlicher Wille ist. Also sollst du, Christ, auch thun, wennunser Herr Gott dir ein Leiden zuschicket und sagt: Leide dichein wenig um meinetwillen, ich will dirs wohl bezahlen. Jagern, lieber Gott, (sollen wir antworten,) weil du es so willsthaben, will ichs von Hertzen gerne thun.

Denn auch die Creatur frey werden wird von dem Dienstdes vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freyheit derKinder Gottes.

Nicht allein wir Christen, spricht er , werden erlöset werden,sondern die Creatur ist auch gefangen, und hoffet, wie ein armer,gefangener Mensch, daß sie samt uns soll erlöset werden. Alsoist die Sonn, Mond und alle Creatur des Teufels und der bösenLeute Gefangener; denn sie muß ihnen dienen zu allerlei) Sündeund Laster. Darum seufzet und klaget sie, und wartet aus dieOffenbarung der Kinder Gottes, da der Teufel samt allen Gott-losen in die Hölle soll geflossen werden, und in Ewigkeit wederSonne noch Mond nimmermehr sehen, keines Tröpflein Wassersgemessen, nicht ein Lüftlein brauchen, sondern aller Creatur (Wohl-that) in Ewigkeit beraubt seyn. So zeigt nun der Apostel anmit diesen Worten, da er spricht: Die Creatur wird auch freywerden von dem Dienst des vergänglichen Wesens, daß vordem Jüngsten Tage alle Creaturen, die Gott geschassen hat, müs-sen Knechte und Mägde seyn, nicht der Frommen, sondern desTeufels und der bösen Leute. Nun jammert St. Paulum selbstder lieben Sonne und der andern Creaturen, daß sie sollen desTeufels und der Tyrannen Knechte seyn; aber sie thuts nicht gern,gleichwie wir nicht gern unter dem Türcken wären; sie leidets aberdoch und harret. Worauf? Auf die herrliche Freyheit der KinderGottes, da sie nicht nur von ihrem Dienst erlöset, daß sie keinembösen Buben mehr diene, sondern auch frey und viel schöner, dennsie jetzt ist, soll werden, und allein Gottes Kindern fortan dienen,nicht mehr unterm Teufel gefangen seyn, wie sie jetzt gefangen ist.Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnet sich mit unsund ängstet sich noch immerdar.

Das ist eine abentheuerliche Rede von St. Paulo: DieCreatur, sagt er, weiß, daß sie nicht allein von dem Dienst desvergänglichen Wesens frey, sondern auch herrlich gezieret und ge-schmücket soll werden. Da wollte sie gern bald hin, und ist ihrso jäch darnach, als immer einer Metzen seyn mag zum Tanze;