244 Predigt am dritten Sonntage nach Trinitatis
wo es nicht gerath, wie es denn gemeiniglich auch den allerhöhc-sten, weisesten Leuten gefehlct hat, so wollen sie toll und thörichtwerden, sahen an, wider Gott und sein Regiment zu murrenund disputiren, als regiere er nicht recht ?c. Darum heißt dißder Christen Kunst und Tugend vor allen Leuten auf Erden, daßsie wissen, wo sie ihre Sorge sollen lassen und legen, da die an-dern sich selbst damit zermartern unv krancken, und doch zuletztdarob verzagen müssen. Das muß wohl folgen aus dem Unglau-ben, der da keinen Gott hat, und will sich selbst versorgen. Aberder Glaube fasset diß Wort, so St. Petrus aus der Schrift füh-ret: „Denn er sorget für euch," und erweget sich darauf fröhlich,thut und leidet, was er soll; denn er weiß, daß er dazu beruffenist, aber die Sorge Gott heim gibet, und also auch frisch hindurchgehet wider alles, was ihn anfichtet, kann Gott anrussen als ei-nen Bater, und spricht: Ich will thun, was mir Gott befohlenhat; aber, wo es hinaus soll gehen, da will ich ihn für sorgenlassen. Wer nun ein Christ seyn will, der lerne solches glaubenund den Glauben üben und erzeigen in seinen Sachen, bcvde, leib-lichen und geistlichen, im Thun und Leiden, Leben und Sterben,daß er sich der Sorge und angstlichen Gedancken entschlagc, unddicselbigcn frisch und getrost von sich werfe, nicht in einen Winckel,wie etliche vergeblich mcynen zu thun, (denn die lassen sich nichtalso hinwegwcrfen, wo sie im Hertzen stecken,) sondern, daß erbeyde, sein Hertz mit feinen Sorgen, Gott auf seinen Rückenwerfe; denn er hat einen starckcn Hals und Schultern, daß er eswohl tragen kann, dazu solches geboten hat, daß man sie ihm auf-trage, und kannst so viel nicht auf ihn legen und werfen, er hates noch viel lieber, und verheisset dir auch, daß er will die Sorgentragen für dich, und alles, was dir anliegt. Das ist je eine feineVerheissung und ein schöner, güldener Spruch, wenn mans mirglauben wollte. Wenn uns solches zusagte ein gewaltiger Känser,König und Herr auf Erden, und forderte, wir sollten ihn sorgenlassen für Gold und Silber und Nothdurft dieses Lebens, wiefröhlich und ohne alle Sorge würde sich jedermann darauf ver-lassen? Nun saget ja diß ein viel trefflicherer Herr, der da all-machtig und wahrhaftig ist, Macht hat über Leib und Leben, unduns will und kann geben alles, was wir bedürfen, beyde, zeitlichund ewiglich, und hatten daran, wenn wirs glaubten, ein halbHimmelreich, ja ein völlig Paradies auf Erden. Denn was istbesser und edlers, denn ein still, friedlich Hertz, darnach alle Men-schen ringen und arbeiten, wie wirs bisber auch qetban haben,