Predigt am dritten Sonntage nach Trinitatis. 241
aufs dichteste durch und durch einander vernahet und durchstricktist, daß es nicht reisten kann, zeiget damit, wie die Christen mitgrossem Fleiß darnach trachten sollen, und also diese Tugend untereinander zu erzeigen und zu üben, als waren sie allein da zusam-men verpflichtet. Also müsset ihr, spricht er, in einander gefloch-ten und gehefftet seyn, die Klauen krümmen, und die Hände aneinander knüpffcn, daß die Demuth nicht könne aufgelöset, getren-net noch zerrissen werden , obschon etwa einem, durch den Teufelangereitzet, oder durch eines andern böses Wort, Ursach gegebenwird, zu zürnen und wieder zu trotzen und pochen.- Ep, sollte ichdas leiden von diesem, bin ich doch ein solcher Mann w., sondernalso dencket, daß ihr doch unter einander als Christen sollet einerden andern vertragen und weichen, als die ihr alle miteinanderein Leib und allein auf Erden unter einander lebet, daß ihr durchdie Liebe einander dienet.
Zu dieser Vermahnung setzet nun St. Petrus die Ursache-„Denn Gott widerstehet den Hoffartigen, den Demüthigen abergiebt er Gnade," damit er, wie ich droben gesaget habe, Gottesernstes Gebot zeiget, und lasset ein hartes Dräuwort mit lausten.Denn er auch nicht schlecht saget: Gott strafet die Hoffärtigen,oder ist ihnen feind, sondern, widerstehet ihnen und setzet sich wi-der sie. Was ist aber .aller Menschen Hoffart gegen Gott, denneine arme, nichtige Wasserblase, oder was noch nichtiger sepn kann,die sich blähet und machet einen Bauch, als wollte sie den Him-mel stürmen, und also wider den Blitz und Donner läuft, derHimmel und Erde kann zuschmettcrn? Was vermag doch alleGewalt aller Creaturen, so sich Gott widersetzet? Und wie darfein elender Mensch, dem auch eine kleine Pestilentz und Drüse dasHertz kann abflössen, die Majestät wider sich reitzen, die ihn alleAugenblick kann herunter werfen in Abgrund? Was trotzet dochStaub und Asche? spricht Sirach 10, 9. Isis nicht gnug undallzuviel, so wir sonst Sünde und Ungehorsam auf uns haben,damit wir Gott erzürnen und schwere Strafe verdienen, und wol-len auch noch darüber mit unserer Hossart und Trotz ihn reitzen,daß er sich in seiner Majestät wider uns setzen muß? Denn mitandern Sünden kann er noch Geduld haben, damit er uns zurBpsse vermahnet und rcitzet; so wir aber ans verstockter Unbuß-sertigkeit ihm zu Trotz und zuwider fahren wollen, so muß er auchgegen uns seinen Kopf aufrichten. Wer will aber solches ertragen,oder dafür bestehen, wo er sein Angesicht und Macht wider einenarmen Menschen setzet, der zuvor alle Augenblick dem Tode und
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