Predigt am andern Sonntage nach Trinitatis.
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den, und schleußt doch daselbst sein Hertz vor ihm zu, mit kleinemund geringem Werck der Liebe ihm zu helfen, wie kann in demdie Liebe Gottes bleiben, die er nicht so groß und Werth achtet,daß er darum einen Heller entbehren oder geben wollte seinemdürftigen Bruder? Wie sollte der ein grössers thun, und das Le-ben für ihn lassen? Wie kann ein solcher wahrhaftig rühmenund wissen, daß Christus sein Leben für ihn gelassen, uns ausdem Tode errettet habe? Was ist aber gemeiners in der Welt,denn solche Leute, welche, ob sie wohl können und der Welt Gü-ter haben, dennoch ihr Hertz zuschliessen für den armen Dürf-tigen, wie der reiche Wanst für dem armen Lazaro. Wo sind anKayser, Könige, Fürsten und Herren Höfen, die der armen Kirchedie Hand reichen, oder die Rinde von ihrem Brod gönnen, zuVersorgung der Armen, des Predigtamts, Schulen und andereNothdurft der Kirche? Was sollten diese in grösserm thun, daein jeder schuldig ist, sein Leib und Leben für seinen Bruder, viel-mehr für die gantze Christenheit, zu lassen. Nun hören wir jabiß schreckliche Urtheil, daß, die solche Liebe nicht haben, sind vorGott Todtschlager und Mörder und das ewige Leben nicht kön-nen haben.
Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten
noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der
Wahrheit.
Die Welt und falsche Christen geben auch grosse Liebe fürmit Worten; aber m der That, und da sie soll beweiset werden,da findet sichs, daß es nichts ist; darum spricht er: Wo nicht dieLiebe ist also gethan, daß sie auch für seinen Bruder bereit ist,das Leben zu lassen, und doch viel von Christo rühmen will, dasist gewißlich eitel nichtiger, erdichteter Schein und Lügen, damitdu dich selbst betrügest, und bleibest im Unglauben und Tode einUnchrist, und arger, denn andere, die vom Evangelio nichts wis-sen. Darum, wer da will recht fahren und ein Christ erfundenwerden, der dencke, daß er also sich erzeige mit der That undWerck, daß man spüren könne, daß er nicht, wie die andern, einLügner und Mörder, ihrem Vater, dem Teufel, nachfolge, son-dern, daß er wahrhaftig und mit dem Hertzen an Gottes Worthange, und aus dem Tode ins Leben kommen sey.