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8 (1928)
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238
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238 Predigt am andern Sonntage nach Trinitatis.

bens rühme, der nicht die Liebe hat; denn da beweiset sich dasWiderspiel deß, so im Menschen der Glaube soll wircken, weil deßkeine Frucht gxspüret wird, sondern bleibet, wie er zuvor gewesen,in seinem alten Eainischen Wesen erstarret und todt, ohn Trostund Fühlen göttlicher Gnade und Lebens. Darum dencke und ver-messe sich nur niemand des Lebens, so er ohn Liebe und alle Fruchtdes Glaubens bleibt, sondern vielmehr in sich selbst schlage underschrecke, und dencke, daß er ein wahrhaftiger Gläubiger werde,damit er nicht im ewigen Tode und schwererer Verdammniß, dennandere, so nicht das Evangelium gehöret, bleibe.

Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschlager, undihr wisset, daß ein Todtschlager nicht hat das ewige Le-ben bey ihm bleibend.

Das ist noch klärer und starcker bewiesen, daß, wer nichtdie Liebe hat, im Tode bleibet, und ist ein sehr hart und erschreck-lich Urtheil, daß solcher nicht besser ist, denn der BrudermörderEain, und sein Hertz gewißlich blutgierig und mörderisch ist widerseinen Bruder, wo man ihm nicht thut, was ihm gefallet, und,wo der Haß entbrennet und ihm nicht durch die Furcht der Schandeund Strafe gewehret wird, auch mit dem Werck solchen Haß be-weiset; denn er gönnet seinem Bruder nichts Gutes, und wirdfroh, wo es ihm übel gehet. Das thut gewißlich nicht, der daglaubet, daß ihm aus dem Tode geholfen sey. Denn, wo einMensch erfahren hat, was für Jammer und Elend der Tod sev,und nun des Lebens sich tröstet und freuet, und gedencket dabeyzu bleiben, der wird solches auch andern gerne gönnen, und keineLust zu jemandes Tod haben. Darum ist gewißlich das Wider-spiel wahr, wie er spricht: Wir wissen, daß, wer ein Todtschlagerist, der hat nicht das ewige Leben Ken ihm bleibend.

Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Lebenfür uns gelassen hat, und wir sollen auch das Leben fürdie Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Gü-ter hat, und stehet seinen Bruder darben, und schleußtsein Hertz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottesin ihm?

Da zeiget er, was die rechte Christliche Liebe seyn soll, undsetzet das hohe Exempel und Fürbild der Liebe Gottes oder Christi.Und sonderlich spüret sichs daran, spricht er (wie es grob genug zuverstehen, und ein jeder aus einem Kleinen das Grosse schließenmag): Wo jemand der Welt Güter hat, und stehet seinen Näch-sten darben, da er ihm wohl helfen kann, ohn allen seinen Scha-