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8 (1928)
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237
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Predigt am andern Sonntage nach Trinitatis. 237

er das nicht thut, da ist der Ruhm falsch und nichts. Damit be-weiset sichs aber, so man die Früchte spüret, daß des MenschenHertz, durchgossen mit dem Trost und gewissen Vertrauen der gött-lichen Gnaden und Liebe, beweget wird, daß er auch gegen demNächsten gütig, freundlich, sanftmüthig, geduldig ist, niemandneidet noch hasset, sondern jedermann gerne dienet und, wo esnoth ist, hilft mit Leib und Leben. Solche Frucht beweiset undbezeuget, daß gewißlich solcher Mensch ist aus dem Tode ins Lebenkommen; denn wo er solches nicht glaubete, sondern zweifelte ander Gnade und Liebe Gottes, so würde er auch nicht solch Hertzkönnen haben, Gott zu Liebe und Danck, dem Nächsten auch seineLiebe zu erzeigen. Wo aber dieser Glaube ist, und erkennet solchegrosse Gnade und Wohlthat, daß ihm aus dem Tode zum Lebengeholfen- so wird dadurch sein Hertz entzündet, wiederum zu lie-ben und alles Gutes zu thun, (auch seinen Feinden,) wie Gottihm gethan hat. Also ist recht geredet und verstanden, das St.Johannes sagt: Wir wissen, daß wir aus dem Tode kommensind, denn wir lieben die Brüder. Also, daß der Grund bleibe,daß wir allein durch den Glauben gerecht, das ist, vom Tode er-löset werden. Das ist das erste Stück der Christlichen Lehre.Darnach ist eine andere Frage- ob der Glaube rechtschaffen da sey,oder gcfärbet, oder ob es ein falscher Schein und lediger Ruhmdes Glaubens sey? Darum redet er deutlich also, daß wir nichtdurch die Liebe aus dem Tode errettet werden, sondern, nun wirdaraus errettet sind, und uns das Leben geschencket ist, das wissenund sehen wir dabey, daß es solches in uns wircket, daß wir nichtmehr, wie Cain, hoffärtig, vermessen auf uns selbst, den Nächstenverachten, voll Neides, Hasses, Bitterkeit sind, sondern jedermanngerne geholfen sehen, und so viel an uns ist, ihm dazu dienenund alles Gutes thun. Diese Vermahnung treibet nun St. Jo-hannes weiter zum Beschluß, durch das Widerspiel, mit ernstenWorten und eitel Donnerschlagen wider die, so fleischlich sich Chri-sten rühmen und doch ohn die Liebe sind, und setzet etliche Stücke,damit er beweiset, daß, wo die Liebe nicht ist, auch kein Glaubenoch Erlösung vom Tode seyn kann. Auf daß hie niemand sichselbst betrüge, oder vornehme, sich zu entschuldigen mit vergeb-lichen Worten und Ruhm des Glaubens, sondern wisse, daß esmuß ein wahrhaftig Wesen seyn, daß die Liebe da sey, dadurchder Glaube erzeige, daß er im Hertzen lebe.

Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode.

Das ist dürr und klar beschlossen, daß sich niemand des Le-