236 Predigt am andern Sonntage nach Trinitatis.
Wercke und Liebe aufs bitterste verfolget, und wisse, daß die KircheChristi auf Erden nicht muß besser haben, dencke nicht nach demausserlichen Schein und Ansehen- Das sind der grosse Haufe, dieweisesten, trefflichsten Leute auf Erden; wie ists möglich, daß diesealle sollten irren und verdammt seyn?
Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben kom-men sind, denn wir lieben die Brüder.
Das soll die Ursache seyn, die uns bewegen soll, die wirChristen sind, daß wir in der Liebe bleiben; die setzet er zugegender Ursache, daß die Welt uns hasset, welches ist ihre eigene Bos-heit. Es ist nicht Wunder (will er sagen,) daß euch die Welt has-set, denn es ist gar ein grosser Unterschied zwischen ihr und euch.Die Welt ist in ihren eigenen bösen Wercken, Unglauben, Hos-fart, Verachtung Gottes Worts und seiner Gnaden, Haß undVerfolgung der Frommen, schon dahin gefallen in des TeufelsReich und ewigen Tod, und will ihr nicht sagen noch helfen lassen,daß sie möchte heraus kommen, sondern halsstarrig und verstockt,durch ihr eigen Gewissen öffentlich verdammt, will darinne blei-ben. Aber wir, so an Christum glauben, sind nun, Gott Lob!viel andere Leute, nemlich aus dem Tod und durch den Tod hin-durch kommen und ins Leben gesetzet durch das Erkenntnis undden Glauben des Sohnes Gottes, der uns geliebet und sich selbstfür uns gegeben hat. Nun, woher wissen wir denn, daß wiraus dem Tode ins Leben kommen sind? Daher, spricht er, dennwir lieben die Brüder. Was ist das? Ist nicht das unsere Lehre,daß er uns zuvor geliebet hat (wie St. Johannes selbst saget), daer ist für uns gestorben und auferstanden, ehe wir ihn geliebethaben. Wo das geglaubet wird, da gehet denn erst die Liebe, beyde,gegen Gott und den Nächsten? Warum sagt er denn- Wir sindaus dem Tode ins Leben kommen, denn wir lieben die Brüder?Es liegt aber an dem Wort: Wir wissen. Denn er sagt deutlich:Daher wissen wir, daß wir aus dem Tod sind kommen, das ist,daran kann man spüren und erkennen, wo und welche die Leutesind, da der Glaube rechtschaffen ist. Denn St. Johannes hatdiese Episteln fürnehmlich geschrieben wider die falsche Christen,wie der viel sind, die da auch Christum rühmen, und doch bleibenohne Frucht des Glaubens. Denn es ist nicht genug, daß wirrühmen, wir seyn aus dem Tode ins Leben kommen, sondern esmuß sich auch zeigen und sehen lassen. Denn der Glaube ist nichtein solch Ding, das da gar ledig und todt liegt; sondern, wo erim Hertzen lebt, da muß sich je auch desselben Kraft beweisen; wo