Druckschrift 
8 (1928)
Entstehung
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235
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Predigt am andern Sonntage nach Trinitatis.

23S

Volck, Matth. 23, 37- Jerusalem, Jerusalem, die du tobtest diePropheten ?c., wie oft habe ich deine Kinder versammlen wollen,wie eine Henne ihre Küchlein versammlet unter ihre Flügel? Alswollte er sagen.- Bin ich doch nicht kommen und geprediget, daßdu solltest sterben und verdammt werden, sondern ich leide fürdeine Sünde den Tod und Gottes Zorn, und bringe dir alle Got-tes Gnade und Wohlthat, zeitlich und ewiglich; woher kommtdenn solch bitterer Haß wider mich und meine Predigt? Wohlan,spricht St. Johannes, weil die Welt kann Gott selbst hassen fürsolche Wohlthat, Lieber! so laßt euch nicht wundern, daß euchdergleichen widerfahret. Was ist es, daß ich meine Liebe erzeige,meinen Leib und Leben dahin setze, diese Lehre zu bestätigen unddem Nächsten zu helfen? Ach es ist eine arme, bettlische, garstigeund stinckende Liebe gegen der, da Christus für mich stirbet, michvom ewigen Tode zu erlösen. Kann es Gott mit seiner Höhesten,grundlosen Liebe nicht bey der Welt erheben, daß sie ihm dafürdanckbar seyn, was ists Wunder, ob sie dir gram wird für deineWohlthat? Und was willst du pochen und scharren über Undanck-barkeit? Bist du doch selbst ein Stück derselben Welt, für dieGottes Sohn hat müssen sterben. Und ob du auch für sie stürbest,so ist es doch nichts gegen dem, daß Gott seines eigenen Sohnesum ihrentwillen nicht verschonet, sondern von ihren eigenen Hän-den lasset hinrichten und tödten.

Darum spricht nun St. Johannes.- Lasset euch nicht wun-dern, ob euch auch die Welt hasset; denn sie sind der grosse Haufeder Hohen, Weifen, Gelehrten, Gewaltigen. Die mahlet dieSchrift also, daß sie müssen das arme Häuflein der Kirche Christihassen und verfolgen, um seiner guten Wercke willen; denn siekönnen schlechts das nicht leiden, daß der verachtete, nichtige Haufesoll sie lehren, daß wir allein durch Gottes Gnade und Barm-hertzigkeit, nicht durch unser Verdienst, selig werden, und ihrOpffer (das ist jetzt unserer Papisten Messe, so sie für das heiligsteWerck und Verdienst halten,) nicht vor Gott gelte. Also ist unsdie Welt abgemahlet, daß man sie recht lerne kennen, welches istauch einem Christen noth zu wissen, und etwas groß gelernet, daßer wisse, was er sich zu ihr versehen soll, auf daß er nicht dafürerschrecke, noch ungeduldig werde, oder sich ihre Bosheit und Un-danckbarkeit überwinden lasse, daß er auch böse werde, und ansähe,zu hassen und Rache zu suchen, sondern seinen Glauben und LiebedeHalte, lasse die Welt fahren, wenn sie nicht hören will, undnichts Keffers von ihr gewarte, denn daß sie ihn für seine guten

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