Druckschrift 
8 (1928)
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234
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264 Predigt am andern Sonntage nach Trinitatis.

sen, von welchen sie geliebet werden und eitel Gutes empfahen?Wer hatte immer gemeynet, sprechen wir selbst, daß die Leutekönnten so böse seyn? Und wer will oder kann mehr der Weltdienen und Gutes thun, weil sie so undanckbar ist und nichts, dennHaß, für die Liebe zu Lohn giebt? Aber lasset uns erstlich vonuns selbst sagen und uns ansehen, die wir getaufet, das Evange-lium empfangen haben, wie wir Gott lieben für die hohe Liebe,daß er uns seinen Sohn geschencket hat. O, da ist überaus auchein schönes Exempel zu sehen grosser Freude und Danckbarkeit,dafür wir billig vor Gott und seinen Engeln schamroth uns selbstanspeyen sollten. Was soll man aber von andern sagen, welche,so sie die selige Predigt von dieser Gnade und Wohlthat Gotteshören, wollen dieselbige nicht leiden, verdammens für Kctzerey,und die, so es predigen der Welt zu Dienst, Heil und Seligkeit,müssen ihr ein Fluch und Fegopsser seyn, (sagt St. Paulus, 1.Cor. 4, 13.) daß kein Uebelthater von ihr jammerlicher und schmäh-licher gehandelt und hingerichtet wird, wie wir auch bisher undnoch bey dem Pabst und seinem Anhang gesehen haben. So nunsolches die Erfahrung uns lehret, welches sonst kein menschlichHertz glauben könnte, noch sähet St. Johannes an, zu vermahnen,und spricht: Meine lieben Brüder, verwundert euch nicht, daßeuch die Welt hasset:c. Soll man sich deß nicht wundern, wasist denn mehr aus Erden zu wundern? Hatte ich doch gemeynet,wenn etwa eine einige Predigt von der Gnade Christi gehöretwürde, es sollte es alle Welt mit hohesten Freuden annehmen,und nimmermehr solcher Gnaden und Wohlthat vergessen. Warees doch dagegen kein Wunder, daß sich die Erde plötzlich aufthate,und die Leute verschlänge, die Gott keinen Danck wissen, daß erseinen Sohn laßt einen Menschen werden, uns Verdammte vonSünde und Tod erlöset, ins Leben und Seligkeit zu setzen. Istdas nicht schrecklich, daß man diesen Heiland und seine Lehre mehrfliehen und feinden soll, denn den Teufel selbst? Was soll dochGott hiczu sagen und thun? Billig spricht er durch den Pro-pheten Micha, 6, 3. 4. 5., zu seinen Jüden: Was habe ich dirgethan, mein Volck? Und womit habe ich dich beleidiget? Dassage mir. Habe ich dich doch aus Egyptenland, aus dem Dienst-hause erlöset, und deine Feinde im rothen Meer ersauffet. Item-Dencke doch daran, wie ich dem Propheten Bileam gewehret habe,daß er dich nicht verfluchen mußte, damit du nicht gar ausgerot-test würdest, daran ihr mehr mercken solltet, wie der Herr euchalles Gutes gethan hat. Und Christus zu seinem undanckbaren